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Sommerrätsel 2021 - Auflösung 5

700 historisch Kostümierte trafen sich in Bretten für ein „Wimmelbild“

Im fünften Teil des Sommerrätsels 2021 war eine Zahl gesucht. Die Lösung: 2016 kamen auf dem Brettener Marktplatz rund 700 Gewandte für ein „Wimmelbild“ zusammen. Der Anlass: das Peter-und-Paul-Fest.

Historisch korrekt gekleidet: In Gewänder wie diese schlüpfen in Bretten beim Peter-und-Paul-Fest rund 3.000 Kostümierte. Foto: Max Brunner

Es gibt Frauen, die träumen von Louboutin-Schuhen – jene mit der berühmten roten Sohle. Nicht so Linda Obhof, Leiterin des Brettener Stadtmuseums.

Das Paar, das ihr Herz schneller schlagen lässt, fällt nicht in die Kategorie sexy High Heels, sondern sieht für Außenstehende eher nach der Kategorie flache Treter aus.

Doch die unauffälligen Schuhe mit der flachen Sohle und dem schmalen Riemchen sind etwas Besonderes: handgefertigt, aus feinstem, braunen Leder und genäht nach historischem Vorbild.

Das ist für die Archäologin mit Schwerpunkt Spätmittelalter das wichtigste: nah am Original zu bleiben. Schließlich will sie historisch korrekt gekleidet sein, wenn Bretten im Juli 2022 wieder sein Peter-und-Paul-Fest feiert.

Wams und Mieder statt T-Shirt und Jeans auf dem Brettener Peter-und-Paul-Fest

Wenn Abertausende zu einem der größten Heimatfeste in Südwestdeutschland strömen, dann bleibt kein Brettener in seiner Bude hocken. Jeans und T-Shirts verschwinden im Schrank, stattdessen werden Wams und Mieder, selbst glänzende Rüstungen angelegt.

Manch einer nimmt es mit dem historischen Outfit nicht immer so genau, und die 32-Jährige weiß auch warum: „Unser Bild vom Mittelalter ist sehr stark durch Hollywoodfilme geprägt“, erzählt die Archäologin, die mit einer Handvoll Gleichgesinnter die Gruppe „Um 1504“ gegründet hat.

Deren Ziel: ein digitaler Leitfaden zu Ausstattung und Kleidung im frühen 16. Jahrhundert sowie praktische Hinweise zu Bezugsquellen von Stoffen, Accessoires und Waffen.

Der muntere Haufen hat sogar Schnittmuster entworfen, mit deren Hilfe sich Wams, Hose, Unterkleid und Goller schneidern lassen – und zwar für große und kleine, dünne und beleibte Mittelalterfans.

Peter-und-Paul-Fest 2020 fiel wegen Corona aus

Linda Obhof hat die Begeisterung für diese Epoche womöglich schon mit der Muttermilch aufgesogen. Der Vater war im Vorstand der historischen Gruppe „Fünf Schneeballen“, die das Leben im Kraichgau um 1504 wiederaufleben lässt und sich bei ihren Inszenierungen an zeitgenössischen Quellen orientiert; als Kind lief sie beim großen Festumzug in Bretten mit und machte das Hobby schließlich zum Beruf.

Auch wenn das Heimatfest in diesem und dem vergangenen Jahr Corona zum Opfer fiel: Die Vorfreude auf Mittelaltermärkte und -wochen ist groß, auch wegen der handgefertigten Lederschuhe, die um einiges preiswerter als die höllisch hohen Modelle von Designer Louboutin sind. „Sie sind superbequem, selbst wenn man sie den ganzen Tag trägt“, versichert die Museumsleiterin.

Bretten feiert beim Peter-und-Paul-Fest die erfolglose Belagerung

1504 war in Brettens Geschichte ein entscheidendes Datum. Damals tauchte Herzog Ulrich von Württemberg mit seinem Heer vor der stark befestigten kurpfälzischen Stadt auf, die sich wacker und am Ende erfolgreich des stets klammen Herrschers erwehrte.

Die misslungene Belagerung wirkte lange nach – zum Teil bis in die Gegenwart. Denn 1504 wurde eine neue Grenze zwischen der Kurpfalz und Württemberg gezogen: Bretten blieb kurpfälzisch, der Nachbarort Knittlingen dagegen wurde württembergisch.

Der geglückte Ausfall der Belagerten ist eines der Standbeine des Mittelalter-Events in der Großen Kreisstadt. Der „Schäfersprung“ am Laurentiustag, dem 10. August, sowie die Bürgerwehren im frühen 19. Jahrhundert sind die anderen Säulen – weshalb sich Schäfer, Bogenschützen, Duselgrabscher, „D’ Eggefeger“ und Spielmannszüge in preußischen Uniformen einträchtig zum farbigen Bild versammeln.

„Eine Stadt lebt ihre Geschichte“ lautet daher folgerichtig das Motto für das dreitägige Spektakel, bei dem die Ereignisse des Jahres 1504 nachgestellt werden.

Eine „Gewandpolizei“ existiert zwar nicht, doch die Vereinigung Alt-Brettheim legt großen Wert auf historisch korrekte Kleidung. Es gibt sogar eine Gewandmacherei, angeführt von einer ausgewiesenen Expertin für mittelalterliche Kleidung, die Gewänder für alle Stände der mittelalterlichen Gesellschaft entwirft.

Vom Bettler bis zum Bauern, vom einfachen Handwerker bis zum geistlichen Würdenträger – wer möchte kann in jede gewünschte Rolle schlüpfen.

Linda Obhof ist dank der intensiven Beschäftigung mit jener Zeit längst selbst zur Expertin geworden. Sie liest in Chroniken, studiert Stiche, schaut sich zeitgenössische Gemälde an.

„Ich schneidere mir jedes Jahr mindestens zwei Gewänder“, erzählt die Brettenerin, während sie einen schwarzen Mantel mit blauem Seidenfutter aus der Tasche holt.

Ich merke schon während des Nähens, ob das Gewand passt.
Linda Obhof, Mittelalterfan

Das neue Kleid für das nächste Peter-und-Paul-Fest ist bereits in der Mache, ebenfalls wie die weiße, fein gefächelte Haube – „denn nur ledigen Frauen war es erlaubt, ihr Haar offen zu tragen“. Eine Wulsthaube sorgt für den nötigen Unterbau, der mit Seide gefütterte Ledergürtel hält das Gewand zusammen.

„Ich merke schon während des Nähens, ob das Gewand passt“, erzählt die 32-Jährige. Wenn nicht sind Freundinnen die Profiteure. Was finanziell ein ziemlicher Verlust sein kann.

Das Bemühen, möglichst nah an den Originalen des Mittelalters zu bleiben, macht auch vor den Stoffen nicht halt. Ein Meter Seidenbrokat kostet locker 75 Euro, für einen Goldbrokat mit Lurexfäden ist schnell das Doppelte fällig.

Wer glaubt, Linda Obhof setze sich abends an die Nähmaschine, befindet sich auf dem Holzweg. Ihre Unikate sind allesamt Handarbeit. Und mehr als zwei Millimeter darf kein Stich lang sein.

Das sind die Gewinnerinnen und Gewinner von Teil 5 des Sommerrätsels

Karin El-Alem rätselt seit Start des BNN-Sommerrätsels begeistert mit. Und jedes Mal liest sie mit großem Interesse die Auflösung. „Die Geschichten, die sich hinter den Kleidungsstücken verbergen, sind sehr spannend“, sagt die BNN-Leserin aus Bruchsal. Um die Antwort auf die jeweilige Frage zum Thema „Kleider machen Leute“ zu finden, recherchiert sie eifrig im Internet.

Glücklich: Karin El-Alem hat den Hauptpreis der fünften Runde gewonnen. Foto: privat

Bei der fünften Frage des Sommerrätsels lag Karin El-Alem nicht nur richtig, das Glück war ihr zudem hold: Sie hat den Hauptpreis der fünften Runde gewonnen – eine Ballonfahrt über der Rheinebene mit dem Anbieter Ballooning 2000 Baden-Baden.

Auch die richtige Einsendung von Waltraud Burghardt aus Kraichtal wurde aus dem Lostopf gezogen. Sie erhält ein Weinpaket, das die Baden-Badener Weinexpertin Natalie Lumpp zusammengestellt hat. Es enthält drei „Butcher“-Rotweine, dabei handelt es sich um eine Serie des spanischen Weinguts Finca Anfora.

Der dritte Preis, ein Gutschein über 30 Euro für den Lesershop der Badischen Neuesten Nachrichten, geht an Markus Traut aus Bretten. Über jeweils eine Picknickdecke können sich Helmut Klein aus Oberderdingen, Ursula Kunz aus Karlsruhe und Andrea Drumm aus Weingarten freuen.

Dieses Mal kein Glück gehabt? Es folgt noch eine weitere Rätselrunde. Die BNN verlosen auch dann wieder attraktive Preise. Mitmachen lohnt sich also.

Das sind die Teilnahmebedingungen.

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