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Aktion des Edith-Stein-Gymnasiums

Im Diedelsheimer Insektengarten wird aus totem Stein blühendes Leben

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern des Brettener Edith-Stein-Gymnasiums hat eine Diedelsheimer Steinwüste zu einem insektenfreundlichen Garten umgestaltet.

Hannah Bäuerle, Katharina Zander, Celina Zipper, Anine Özmen Jonas Dorwarth und Patrick Simon haben sich mit dem insektenfreundlichen Garten in Diedelsheim nicht als Naturschützer, sondern auch als Projektmanager bewährt. Foto: Tom Rebel

Straßen wie die Mozartstraße in Diedelsheim gibt es in Deutschland millionenfach. Das klassische Einfamilienhaus reiht sich hier in mehrfacher Ausführung aneinander, dazwischen die Straße, auf jeder Seite parkende Autos. In den Vorgärten stehen zwar hier und da ein paar Pflanzen, insgesamt herrscht aber mehr grau als grün.

Den Vorgarten der Familie Zipper ziert seit kurzem nicht mehr nur grauer Stein. Denn Tochter Celina hat ihn zusammen mit fünf Mitschülern vom Edith-Stein-Gymnasium zu einem insektenfreundlichen Garten umgestaltet.

„Der Steingarten war schon da, bevor wir eingezogen sind“, sagt die Elftklässlerin bei der Präsentation des Projekts. Und weil ihre Eltern auch nicht gerade verliebt in ihn waren, eignete er sich perfekt für die sechs Schüler, die sich in diesem Jahr freiwillig für das TheoPrax-Projekt gemeldet hatten.

Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut in Berghausen

Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) in Berghausen unterstützt Schüler des ESG und des Melanchthon Gymnasiums Bretten seit mittlerweile zwölf Jahren dabei, den Unterricht nach draußen – eben in die Praxis – zu verlagern. Ziel ist es, mit außerschulischen Auftraggebern eigene Projekte zu realisieren. Mit dem benoteten Projekt können die Schüler ein Fach aus dem mündlichen Abitur ersetzen.

In diesem Jahr heißt der Auftraggeber Michael Reithäusler – Lehrer an der Schillerschule, Imker und Mitglied des NABU Bretten. Sein Auftrag lautete: Den Steingarten in der Mozartstraße vom Schotter zu befreien, ihn nach den Vorgaben der Stadt Bretten umzugestalten und mit heimischen Pflanzen zu bestücken. Mit einem Insektenhotel und einem Vogelhäuschen sollte die Grünfläche außerdem für die kleine und große Tierwelt möglichst lebenswert gestaltet werden.

Für die Schüler war die schwerste Aufgabe, geeignete Pflanzen zu finden. „Die Wildpflanzen hier aus der Region gibt es nämlich gar nicht zu kaufen“, sagt Anine Özmen. In der Gärtnerei fanden sich mit Primeln, Anemonen, Veilchen, Bergenien und Lenzrosen dann schließlich doch Gewächse, die sich für Insekten und die halbschattige Lage des Gartens eigneten.

Man muss mit gutem Vorbild voran gehen und ab und zu auch die Verwaltung zum Handeln auffordern.
Michael Reithäusler, Lehrer, Imker und Mitglied des NABU Bretten.

Für die nicht mehr benötigten Steine, die sie mühsam selbst ausgebuddelt hatten, fanden die Schüler einen privaten Abnehmer. Der Auftraggeber ist mit dem Ergebnis zufrieden. In Bretten gebe es aber noch viel Luft nach oben, sagt Reithäusler: „Man muss mit gutem Vorbild vorangehen und ab und zu auch die Verwaltung zum Handeln auffordern, sonst passiert nichts.“

Planung und Organisation stehen beim Projekt im Mittelpunkt

Abgeschlossen ist die Arbeit damit aber noch nicht. Zur Leistung gehören auch eine schriftliche Ausarbeitung des Projekts sowie eine Präsentation, bei der die Schüler Fragen zu den in die Praxis umgesetzten theoretischen Inhalten beantworten müssen.

Teil des Projekts sind außerdem eine Broschüre und ein Flyer, der auf die auch finanziellen Vorteile von Insektengärten aufmerksam macht und einen eindringlichen Appell an die Steingartenbesitzer richtet: „Steingärten müssen verschwinden!“, heißt es da.

Tatsächlich sieht das Landesnaturschutzgesetz vor, dass seit Juli 2020 zumindest keine neuen Steingärten mehr angelegt werden dürfen. „Besonders in Neubaugebieten wird das aber nicht immer konsequent durchgesetzt“, sagt Schülerin Katharina Zander.

Der tiefere Sinn dahinter ist, die Regeln des Projektmanagements einzuüben.
Franz Ebert, Lehrer am ESG und Betreuer der TheoPrax-Gruppe

Die Ausführung ist aber nur ein Teil des TheoPrax-Projekts. „Der tiefere Sinn dahinter ist, die Regeln des Projektmanagements einzuüben“, sagt Lehrer Franz Ebert, der in diesem Jahr die schulische Betreuung der TheoPrax-Gruppe übernommen hat. Normalerweise trifft sich eine Gruppe von mindestens drei Schülern ein Jahr lang außerhalb des Unterrichts, um ihr Vorhaben gemeinsam durchzuplanen – vom sogenannten Kick-off über die Festlegung der einzelnen Arbeitsschritte bis hin zur Umsetzung.

Wegen des Kontaktverbots musste die Gruppe ihre Gespräche teilweise ins Digitale verlagern. Dennoch sieht Ebert sie gut für die Zukunft gerüstet: „Ab morgen seit ihr heiß begehrt“, sagte er bei der Vorstellung am Freitag.

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