Skip to main content

Würdigung der Vereinskultur

TV Bretten feiert 175-jähriges Bestehen: mit Kampfgeist aus der Krise

Der TV 1846 Bretten konnte am Sonntag im Hallensportzentrum im Grüner seine wegen Corona verschobene Feier zum 175-jährigen Vereinsbestehen nachholen.

Kraft und Koordination: Die Showgruppe Geräteturnen führte dem Festpublikum gegen Ende der Veranstaltung noch einmal vor Augen, welche beeindruckenden Fertigkeiten beim TV Bretten ausgebildet werden – wenn nicht gerade Lockdown ist. Foto: Tom Rebel

„Der ein oder andere hat schon gar nicht mehr daran geglaubt.“ Das waren die ersten Worte von Stefan Hammes, dem Vorsitzenden des TV 1846 Bretten, beim großen Festakt zum 175-jährigen Vereinsbestehen im Hallensportzentrum im Grüner.

„Aber wir sind nicht so lange miteinander durch dick und dünn gegangen, um jetzt zu scheitern“, verlieh er seinem Kampfgeist gegenüber dem Publikum Ausdruck, in dem nicht nur Vereinsmitglieder, sondern auch die Brettener Stadtoberhäupter und Landtagsabgeordneten Platz genommen hatten – mit Mundschutzmasken, die waren nämlich Pflicht. Ein kleiner Wermutstropfen im Vergleich zu den Einschränkungen, mit denen der Verein in der Corona-Krise zu kämpfen hatte.

Noch bevor Hammes die Bühne betrat, gab der elfköpfige Frauenchor der „Herztöne“ im wahrsten Sinne des Wortes den Tenor der Veranstaltung vor: Die Auswahl des Beatles-Songs „Here Comes the Sun“ war kein Zufall, sondern der heitere Soundtrack für einen Neuanfang nach den trüben Krisenzeiten.

Absagen und sinkende Mitgliederzahlen sind nicht spurlos am TV Bretten vorbeigegangen

Wie der TVB-Vorsitzende in seiner Rede ausführte, seien die abgesagten Veranstaltungen und sinkenden Mitgliederzahlen zwar nicht spurlos am Verein vorbeigegangen, dennoch hätten sich die düsteren Prognosen vom Beginn der Corona-Krise nicht erfüllt. Im Vergleich zu anderen deutschen Vereinen etwa, die bis zu 15 Prozent Mitgliederverlust zu beklagen hatten, steht der TV mit 3,6 Prozent noch gut da.

Dafür, dass aus dem Festakt kein Trauerspiel wurde, sorgte im Anschluss außerdem die erste kleine Sporteinlage, bei der die junge Gymnastin Angelina Cosi Montes den ganzen Saal zu einem kleinen Tanz-Intermezzo animieren konnte. Später sollte sie mit ihrer Sportskollegin Elisa Schnorr erneut die Bühne betreten, um mit einer weiteren Tanzeinlage der Hoffnung Ausdruck zu verleihen „aus dunklen Tagen wieder in ein normales Leben zurückkehren zu können“, wie Moderatorin Sina Schneider formulierte.



Thomas Lindemann, Brettener Verleger und Vorsitzender des Börsenvereins des deutschen Buchhandels Baden-Württemberg, hatte die Ehre und, wie er beweisen sollte, auch das rhetorische Geschick, als Festredner für den Traditionsverein aufzutreten.

Nicht unerwähnt bleiben durfte dabei „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, dessen Motto „frisch, fromm, fröhlich, frei“ sich in Form der vier „F“ im Wappen des TV Bretten wiederfindet. Lindemann orientierte sich bei seinem historischen Exkurs zu den Ursprüngen des Brettener Vereins an der Festschrift, die Presswart Hans-Jörg Zierdt anlässlich des Jubiläums zusammengestellt hat.

Wie Zierdt in seiner eigenen Rede später ausführte, liegen die Vereinsursprünge im Freischießen, mit dem die Brettener Bürger im 16. Jahrhundert vor den Toren der Stadt ihre Wehrhaftigkeit erprobten.

Aus den bescheidenen Anfängen mit 34 exklusiv männlichen Mitgliedern, die im Sommer im Klostergarten turnten und im Winter auch schon feucht-fröhliche Stunden im Rössle-Hof verbrachten, ist über die Jahre eine Brettener Institution erwachsen, „ein Spiegel der Brettener Gesellschaft“ sowie nicht zuletzt auch ein „florierendes Wirtschaftsunternehmen“, dessen Umsatz die Millionengrenze überschritten habe.

Präsident des Badischen Turner-Bundes würdigt TV Bretten

In diese Kerbe schlug auch der Präsident des Badischen Turner-Bundes, Gerhard Mengesdorf. Die Vereinskultur in Deutschland sei nicht nur von immateriellem Wert, wie die Erklärung zum Unesco-Weltkulturerbe zuletzt gezeigt habe: „Ein Euro Zuschuss vom Sportbund bringt zehn Euro Erlös“, betonte Mengesdorf. Der Präsident nannte den TV „einen der bedeutendsten Vereine in Baden-Württemberg“. Für dessen vorbildliche Führung verlieh er dem sichtlich überraschten Vorsitzenden Hammes die Goldene Ehrennadel.

In ihren Grußworten lobten nicht nur Heike Heinrich vom Karlsruher Turnergau und Dennis Berger vom VfB Bretten den Sportsgeist des „hervorragend geführten Vereins mit Vorbildfunktion“ (Berger), auch Oberbürgermeister Martin Wolff (Freie Wähler) bekräftigte den Stellenwert des Vereins für die Brettener Gemeinschaft, dem die Stadt mit der Erhöhung des Jugend-Zuschusses bereits habe Rechnung tragen wollen.

Zum Ende seiner Rede bekam der Vorsitzende Hammes von Berger und Wolff jeweils zwei symbolische Geldspenden überreicht: Von Berger gab es 175 Euro, von Wolff 875 Euro – fünf Euro für jedes Jahr TV Bretten.

nach oben Zurück zum Seitenanfang