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Wie schon 2020

Absage des Pforzheimer Oechsle-Fests: Wirte sehen keine Alternative – FDP kritisiert den Rückzug als verfrüht

Alles Planen und Rechnen war für die Katz: Das Pforzheimer Oechsle-Fest kann pandemiebedingt auch 2021 nicht stattfinden. Alternativen wurden von den Wirten verworfen. Kritik kommt von der FDP.

Wieder eine Absage: Wie schon 2020 wird es die dicht gedrängten Menschenmassen auf dem Pforzheimer Marktplatz beim Oechsle-Fest nicht geben. Die Wirte lehnen auch alternative Konzepte ab. Foto: Wacker

Schon zum zweiten Mal in Folge wird es in Pforzheim kein Oechsle-Fest geben. Dies verkündete die Stadt Pforzheim am Donnerstag.

Auch wenn die Hoffnungen auf eine bald einsetzende Herdenimmunität Gedankenspiele über Lockerungen und eine Rückkehr zum Vor-Corona-Leben aufblühen lassen, ist das Risiko eines solchen Großereignisses im Sommer für die Veranstalter schlicht zu groß.

Vom 20. August bis 5. September 2021 hätte das Oechsle-Fest stattfinden sollen – nachdem es bereits 2020 wegen der Corona-Krise ausfallen musste.

Es sei keine Entscheidung, die leicht falle, aber die in diesen Wochen kaum jemanden überraschen dürfte. So verkündet es Oliver Reitz, Direktor des Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing (WSP) in einer gemeinsamen Erklärung von Stadt, Wirten und Sponsoren. Er betonte vielmehr, wie lange man um das Oechsle-Fest gekämpft habe, anders als andere Städte bei vergleichbaren Großveranstaltungen.

„Wir haben uns verschiedene Szenarien durch den Kopf gehen lassen, stets geprägt durch die Hoffnung, das gesellige Treiben auf dem Marktplatz in diesem Jahr doch ermöglichen zu können“, berichtet Reitz.

17-tägige Großveranstaltung ohne erhebliche Restrisiken nicht durchführbar

Man müsse sich aber eingestehen, dass auch die kreativsten Hygienekonzepte – selbst mit Impf- oder Testnachweisen – keine Grundlage bilden können, um eine 17-tägige Großveranstaltung mit Tausenden von Besuchern pro Tag ohne „ganz erhebliche Restrisiken“ durchführen zu können.

Laut Corona-Verordnung sind Großveranstaltungen bis einschließlich 30. Juni nicht möglich. Danach beginnt eine Zeitspanne der Ungewissheit. So sind etwa Aufführungen des Theaters im Juli noch nicht abgesagt, wie Verwaltungsdirektor Uwe Dürigen zuletzt dieser Redaktion sagte. Und auch Formate wie eine Mini-Mess sind noch nicht vom Tisch, wie Alexander Weber vom Kulturamt in anderem Zusammenhang am Donnerstag berichtete. Hier geht es auch um die Möglichkeit, Künstler in die Öffentlichkeit zurückzuholen.

Beim „Oechsle“ aber geht nichts mehr. Die Entscheidung habe die WSP gemeinsam mit allen acht Wirten erörtert und dabei ergründet, ob in Abwandlungen des Oechsle-Festes nach dem Beispiel der Mini-Mess vielleicht doch Umsetzungsmöglichkeiten gesehen werden. Einhellig, so berichtet die Stadt, erklärten die Wirte, darin keine tragfähige Alternative zu sehen.

Neustart im Jahr 2022

Frank Daudert, stellvertretender Vorsitzender des Kreis-Gaststättenverbands, möchte den Fokus nun auf den Neustart 2022 richten, „dann aber richtig“. Ein dezentrales Oechsle-Fest hätte das Wesen dessen verraten.

„Da geht es auch darum, dass man sich mal wieder trifft“, sagt Daudert. Seine Enzauen-Stuben werden viele Stammgäste vermissen, doch steht für Daudert fest: „Entweder ganz oder gar nicht. Ein bisschen schwanger geht nicht!“ Entsprechend steht auch Hauptsponsor Guido Jeremias von Jeremias Teigwaren hinter der Absage: „Auch wir halten die Entscheidung der WSP und der Oechsle-Fest-Wirte in der jetzigen Situation für richtig“, sagt er.

Oechsle-Fest-Urgestein Dietmar Weiß und sein Sohn Siegfried tragen die Entscheidung ebenfalls mit. Wie sie in der gemeinsamen Mitteilung mit der Stadt verkünden, habe „die Gesundheit und das Wohlergehen der Gäste höchste Priorität“.

Zudem hätten sie den Qualitätsanspruch des Oechsle-Festes im Blick und möchten vermeiden, dass das gefestigte Profil der Veranstaltung beeinträchtigt werde. Bei der WSP beginnen derweil schon die Planungen für das Oechsle-Fest 2022.

Wir finden es extrem schade, dass das Fest dieses Jahr erneut ins Wasser fallen soll.
Alexander Bade, FDP-Stadtrat

Kritik an der Entscheidung kommt von der FDP-Stadtratsfraktion. „Wir finden es extrem schade, dass das Fest dieses Jahr erneut ins Wasser fallen soll“, so Stadtrat Alexander Bader.

„Es stehen noch dreieinhalb Monate zur Verfügung, um die Pandemie mit Testungen und vor allem den ansteigenden Impfstoffmengen soweit hinter uns zu lassen, dass auch größere Veranstaltungen wieder möglich sein sollten, wenn auch vielleicht unter besonderen Voraussetzungen.“

Die FDP verweist in einer Mitteilung dazu auf Aussagen von Biontech-Chef Ugur Sahin, der allein für Deutschland im zweiten Quartal, also bis Juni, 56 Millionen Impfdosen von Biontech und Moderna prognostiziert habe. Hinzu kommen noch Impfstoffe anderer Hersteller. Die FDP sehe daher „eine realistische Chance, durch das Fortschreiten in der Pandemiebekämpfung insbesondere durch Testungen und die Impfkampagne bis zum 20. August soweit zu sein, das Oechsle-Fest zu retten“. Es sei „schade, dass man diese Ansicht offenbar bei der Stadt nicht teilt“.

Verständnis für die Entscheidung hat die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast. „Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass dieses Votum in großer Verantwortung für die Menschen Pforzheims und die gesamte Region gefällt wurde. Persönlich vermisse ich das Oechsle-Fest und die Begegnungen. Ich hoffe sehr, dass wir uns in naher Zukunft wieder auf solchen tollen Festen sehen können.“

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