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Kritik an Eisfläche

Heute letzter Tag: Pforzheim macht den Weihnachtsmarkt dicht

Der Weihnachtsmarkt in Pforzheim hat an diesem Mittwoch den letzten Tag geöffnet. Ab dem morgigen Donnerstag wird der Markt wegen der Corona-Lage schon wieder abgebaut. Die Stadt macht die neue Verordnung des Landes verantwortlich.

Hätte, hätte, Lichterkette: Auf dem Pforzheimer Weihnachtsmarkt wird drei Tage nach der Eröffnung schon wieder abgebaut. Die Stadtverwaltung sagte den Budenzauber nun doch ab. Foto: Daniel Streib

Das Unvermeidliche hatte sich seit Tagen abgezeichnet: Nach der Absage gleich mehrerer großer Weihnachtsmärkte im Raum Stuttgart herrscht im Pforzheimer Rathaus zuletzt hektische Betriebsamkeit.

Noch Ende der vergangenen Woche hatte Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) die Entscheidung verteidigt, den Weihnachtsmarkt in Pforzheim trotz der rasant steigenden Corona-Zahlen durchzuführen.

Nun die Kehrtwende: Am Mittwochmorgen informierten Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Marktbeschicker und Schausteller bei einer Versammlung im Pforzheimer Congresszentrum.

Wichtigste Botschaft: Der Weihnachtsmarkt wird wegen der Corona-Lage geschlossen. Der heutige Mittwoch ist der letzte Tag. Am Donnerstag wird nur noch abgebaut. Doch bereits am Mittwoch sind viele Markbeschickter schon am zusammenräumen. Einige Essensstände öffnen wegen der unsicheren Rechtslage gar nicht mehr.

Schon wieder vorbei: Ein Weihnachtsmarktbeschicker in Pforzheim beginnt am Mittwochmittag mit dem Abbau seines Standes. Foto: Daniel Streib

Offizielle Begründung der Stadt Pforzheim: Der wenig kompakte Weihnachtsmarkt, der sich durch die Fußgängerzone schlängelt, kann nicht wie von der neuen Corona-Verordnung verlangt, sicher abgegrenzt und rechtssicher auf 2G-Plus-Regeln kontrolliert werden.

Stadt: Corona-Regeln „zerstören jedes vernünftiges Konzept“

In einer von der Stadtverwaltung Pforzheim am Mittwochmittag veröffentlichten Pressemitteilung werden die Vorgaben des Landes für die Absage verantwortlich gemacht. Wörtlich heißt es darin: „2G-Plus-Regel (nur noch Geimpfte, Genesene und Test) auf dem gesamten Markt, Maskenpflicht, Abstand und angesichts der hohen Zahlen in Pforzheim die Anwendung der 50 Prozent-Regel (nur noch die Hälfte der sonst üblichen Besucher dürfen auf den Markt) zerstören jedes vernünftige Konzept.“

Dieses Regelwerk sei allenfalls auf einer sehr großen und abgesperrten Fläche darstellbar, „aber allein deswegen und wegen des Themas Feuerwehr-Zufahrten in der Innenstadt nicht realisierbar“, so die Stadtverwaltung Pforzheim.

Die 50-Prozent-Vorgabe macht eine wie vom Land Baden-Württemberg nun vorgeschriebene rechts-konforme Durchführung des Weihnachtsmarkts in der Innenstadt unmöglich.“
OB Peter Boch

„Die 50-Prozent-Vorgabe macht eine wie vom Land Baden-Württemberg nun vorgeschriebene rechts-konforme Durchführung des Weihnachtsmarkts in der Innenstadt unmöglich, auch deswegen weil sich eine komplette Umzäunung des Weihnachtsmarkts hier nicht umsetzen lässt, ohne damit die Zugänglichkeit für den regulären Handel, Anlieger und Anwohner zu unterbinden“, so werden Oberbürgermeister Peter Boch und Erster Bürgermeister Dirk Büscher (CDU) von der Stadtverwaltung gemeinsam zitiert.

Bereits seit Mittag gelte auf dem Weihnachtsmarkt in Pforzheim die strenge 2G-Plus-Regel. Noch bis zum Ende des Mittwoch können die Schausteller weiter geöffnet haben.

Kritik an Eisfläche für City on Ice auf dem Marktplatz Pforzheim

Schausteller zeigten sich in ersten Reaktionen gegenüber unserer Redaktion erschüttert. Eine Verkäuferin beklagte spontan, dass die Marktplatz-Fläche mit der Eislaufbahn und dem Stadt-Festzelt belegt seien. „Dort hätte man einen abgesperrten Marktbereich einrichten können“, so die Frau, die ihren Namen nicht offen nennen möchte.

Auch in der Versammlung am Mittwochmorgen mit Stadtverantwortlichen sei das Thema Marktplatz kritisch angesprochen worden.

Die Buden auf dem Weihnachtsmarkt Pforzheim bauen ab Donnerstag wieder ab. Foto: Felix Doll

Absagen gab es zunächst in kleineren Kommunen. In der vergangenen Woche sagten etwa die Kommunen des Enzkreises ihre Weihnachtsmärkte ab.

Nachdem am Montagnachmittag weitere große Weihnachtsmärkte wie die Barockweihnachtsmarkt in Ludwigsburg und der Mittelaltermarkt in Esslingen abgesagt wurden, zog auch Stuttgarts OB Frank Nopper die „Notbremse“ wie der CDU-Politiker gegenüber Medien sagte. Nach den Absagen in den Nachbarstädten wäre in Stuttgart ein enormer Besucherandrang zwangsläufig. Dieser wäre unter Corona-Bedingungen nicht mehr kontrollier- und beherrschbar, so die Einschätzung Noppers.

Bürgermeister Boch hielt lange an Weihnachtsmarkt fest

Was die Stuttgarter Entscheidung für die rund 40 Kilometer entfernte Stadt Pforzheim und ihren Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) bedeutet, blieb zunächst unklar.

Etwa zeitgleich zu einer Krisen-Videokonferenz zwischen Esslingen, Ludwigsburg und Stuttgart am Montagnachmittag, eröffneten Pforzheims Erster Bürgermeister Dirk Büscher (CDU) den Pforzheimer Weihnachtsmarkt und erläuterten das Pforzheimer Corona-Sicherheitskonzept. Dann ließ man sich von der Presse beim Glühweintrinken fotografieren.

In der Praxis zeigten sich bereits am Eröffnungstag schnell die Lücken des Pforzheimer Konzeptes, das bislang einen 2G-Nachweis nur in den abgesperrten Bereichen der Glühweinstände erfordert, was aber sichtlich zum Teil nur halbherzig kontrolliert wurde.

Noch am Dienstagabend gab es zum Teil lange Schlangen vor den Glühweinständen, Grüppchen bildeten sich. Manche trugen die eigentlich vorgeschriebenen Masken, einige andere aber nicht. Getrunken und gegessen wurde praktisch in der ganzen überaus gut besuchten und frei zugänglichen Fußgängerzone.

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