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Freiwillige medizinische Helfer gesucht

Umbau der Eishalle in Pforzheim zum Impfzentrum läuft: Täglich 750 Impfungen geplant

In nur fünf Wochen soll aus der St.-Maur-Eishalle in Pforzheim ein Impfzentrum gegen das Coronavirus werden. Doch ehe der Aufbau losgehen kann, muss das Eis schmelzen. Dann können Wlan, Trennwände und das medizinische Equipment kommen.

Es taut: Johannes Schweizer vom Parkhotel sowie Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch und Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer (von links) in der St.-Maur-Eishalle. Foto: Roland Wacker

In gewisser Weise hat Pforzheim eine neue Schwimmhalle bekommen. Zumindest fließt das Wasser in Strömen durch die Halle, Pfützen haben sich gebildet, es riecht sogar nach Chlor. Doch zum Schwimmen ist die St.-Maur-Eishalle denkbar ungeeignet. Als Impfzentrum hingegen schon.

Rund zwei Wochen, so erläutert Johannes Schweizer vom Eigentümer Parkhotel Pforzheim bei einem Pressetermin, müsse die Eisfläche nun abtauen. „Das geht nicht so schnell wie bei einem Eiswürfel im Waschbecken.“ Als die Anfrage der Stadt gekommen sei, ob die St.-Maur-Halle als mögliches Impfzentrum bereit stünde? „Da haben wir nicht gefragt ob, sondern wie wir helfen können“, sagt Schweizer.

Fünf Wochen für den Aufbau von IT und Trennwänden

Das Zeitfenster ist eng, das sich sämtliche Beteiligte vorgenommen haben. Schon in fünf Wochen, am 15. Januar, soll alles stehen. Sprich: Eis weg, dafür Trennwände. Eine Videotafel soll den Patienten schon einmal die wichtigsten Informationen geben. WLAN, PCs, all das muss dort in Windeseile errichtet werden, wo vor kurzem noch die Bisons des 1. CfR Pforzheim ihre Eishockey-Heimspiele ausgetragen haben.

Die Tatsache, dass die zu spät über die Schließung der Halle informiert wurden, spiegelte Oberbürgermeister Peter Boch auf die Landesregierung. Deren Kommunikationsstrategie habe dafür gesorgt, dass man faktisch keinen Vorlauf hatte. Boch wiederholte seine Ankündigung, dem Verein unter die Arme greifen zu wollen. Die Stadt haben zudem ihren Hilfsfonds für Vereine bis Juni 2021 verlängert.

Und so nennt Pforzheims Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer die Mission eine „Mammutaufgabe“. „In normalen Zeiten bräuchten wir für so etwas ich-weiß-nicht-wie-lang. Die Tage könnten gerade etwas länger sein.“ Beteiligt daran, aus einer Eishalle ein Impfzentrum zu machen, sind viele. Fischer koordiniert mit seiner Feuerwehr vieles, aber auch Gesundheitsamt, Stadt Pforzheim, WSP, Parkhotel, die Kassenärztliche Vereinigung und der Katastrophendienst sind daran beteiligt, um nur einige zu nennen. „Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, sagt Fischer.

Leerstehende Gebäude kamen nicht infrage

Er erklärte noch einmal, warum es ausgerechnet die Eishalle getroffen hatte, was unter anderem bei den erwähnten Eishockey-Bisons des CfR zu Missstimmung geführt hatte. Man habe sich da an einen Katalog vom Sozialministerium gehalten. Leerstehende Gebäude wären beispielsweise nicht in Frage gekommen, da diese gegebenenfalls erst hätten ertüchtigt werden müssen.

Kein anderes der weiteren eingereichten Objekte entsprach den Vorgaben in so vielen Kriterien.
Peter Boch, Oberbürgermeister

Selbst in der St.-Maur-Halle zählt jede Minute. Oberbürgermeister Peter Boch betont: „Kein anderes der weiteren eingereichten Objekte entsprach den Vorgaben in so vielen Kriterien.“ Darunter waren etwa mindestens 150 Parkplätze, 1.200 Quadratmeter Fläche, gute Erreichbarkeit mit dem ÖPNV. Das Eis allerdings habe keine Rolle gespielt, wenngleich manche Impfstoffe besonders gekühlt werden müssen. Dieses Equipment, so führte Feuerwehrkommandant Fischer weiter aus, werde von der Landesregierung aus gestellt.

750 Impfungen am Tag geplant

Einmal errichtet, soll das Impfen dann in etwa wie folgt ablaufen: Durch die verschiedenen Trennwände würde ein System mit Stationen eingerichtet. Jeder Patient könne vor der Impfung ein Arztgespräch führen, so Fischer, es gibt dann auch einen Wartebereich. Auch Geimpfte müssten gegebenenfalls warten. Wie lange, das ist eine der offenen Fragen und richtet sich auch nach dem entsprechenden Impfstoff, die dann in den Details doch ein wenig anders wirken.

750 Menschen sollen am Tag geimpft werden können, und zwar zwischen 7 und 21 Uhr in zwei Schichten. Termine lassen sich dann über die Telefonnummer 116117 erfragen, dort werde dann ein entsprechender Termin zugewiesen. Dabei wird wohl auch berücksichtigt, ob der Anrufer zum medizinischen Personal gehört, einer Risikogruppe oder zu anderen Gruppen, die zu den ersten Geimpften gehören sollen.

Dazu haben zwar die Experten der Ständigen Impfkommission, des Deutschen Ethikrats und der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina ein Positionspapier erarbeitet, doch auch hier mahlen noch die Mühlen der Bürokratie.

Behörden suchen medizinisches Fachpersonal

Und noch einiges mehr ist unklar: zum Beispiel die Frage nach dem Personal. Sieben Ärzte werden pro Schicht benötigt, hinzu kommt ein vielfaches an sonstigem medizinischen und nicht-medizinischem Personal. Auch die mobilen Impfstationen, die etwa zu Pflegeheimen fahren, würden aus diesem Pool bestückt.

Wir brauchen jede und jeden, um eine möglichst hohe Impfquote der Bevölkerung zu erreichen.
Peter Boch, Oberbürgermeister

Nun rufen Stadt, Landkreis und Gesundheitsamt sowie die Kassenärztliche Vereinigung Freiwillige auf, sich dafür zu melden. Es geht um aktive und pensionierte Vertragsärzte, aber auch um medizinisches Fachpersonal. „Wir brauchen jede und jeden, um eine möglichst hohe Impfquote der Bevölkerung zu erreichen und dem Virus auf diese Weise die Möglichkeit der weiteren Verbreitung zu entziehen“, teilen Boch und Landrat Bastian Rosenau mit. Medizinische Fachangestellte und Krankenschwestern sollen eine Vergütung von 27,60 Euro, Ärzte eine von 130 Euro pro Stunde erhalten.

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