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Kunstturn Region Karlsruhe

Karlsruher Bundesliga-Athletin: Turn-Entzug wegen Corona mit positiven Nebeneffekten

Zwölf Wochen durfte Turnerin Alisha Igüs wegen der Corona-Pandemie nicht in die Halle. Als die 15 Jahre alte Bundesligaturnerin zurück durfte, erlebte sie einen doppelten Aha-Effekt.

Outdoor-Training: Turnerin Alisha Igüs von der Kunstturn Region Karlsruhe (KRK) hat sich im Frühjahr über Wochen hinweg alleine fithalten müssen. Foto: Markus Gilliar/GES

Stretching auf dem heimischen Balkon, Seilspringen im Wohnzimmer mit den via Laptop versammelten Teamkolleginnen, Joggen im Wald: So sah der Alltag aus für Alisha Igüs im Frühjahr. „Zwölf Wochen Pause. Das war schon krass“, sagt die Athletin der Kunstturn Region Karlsruhe (KRK) rückblickend. Aber sie sagt es ohne Groll.

Keine Frage: Es sei oft sehr hart gewesen, sich stets neu zu motivieren. Sich alleine aufzuraffen, immer wieder nur an Ausdauer und Kraft zu arbeiten. Und nicht an Elementen für Sprung, Balken, Barren oder Boden. „Aber“, so sagt die 15 Jahre alte Turnerin, „die Pause war nicht nur negativ“.

Corona-Jahr hat von der Turnerin mentale Stärke gefördert

Der Moment, als auch Igüs wieder in das Rudi-Seiter-Turnzentrum der KRK durfte, „das war so super“, erinnert sich die Bundesligaturnerin, die durch den wochenlangen Entzug zweierlei festgestellt hat. „Dass die Liebe zum Turnen noch da ist und das ich nicht ohne kann und will“, berichtet sie. Zudem habe sie gemerkt, „dass man auch nach so einer langen Unterbrechung gut zurückkommen kann.“

Ihr Jahresfazit fällt dementsprechend zweigeteilt aus. „Turnerisch habe ich mich nicht viel weiterentwickeln können“, stellt Igüs fest. Mental aber habe sie dieses Corona-Jahr stärker gemacht.

Igüs, die derzeit an einem Muskelfaserriss laboriert, hatte 2019 nicht die Norm für den Bundeskader geschafft und war deshalb im Frühjahr lange zum Zuschauen verdonnert - Trainerin Tatjana Bachmayer durfte nach der ersten Lockerung nur Kader-Athleten in die Halle bitten. Im aktuellen, vorerst noch bis Ende November befristeten Lockdown gelten andere Regeln und dürfte Igüs als Bundesliga-Turnerin auch weiter an die Geräte - jetzt bremst die Gymnasiastin aber ihre Blessur aus.

In zwei Wochen will sie wieder auf der Matte stehen, rechtzeitig also für die Teilnahme am zuletzt auf den 19. Dezember verschobenen Finale der Deutschen Turn-Liga (DTL). So dieses dann tatsächlich über die Bühne geht, wäre das immerhin der dritte Wettkampf für Igüs in einem ansonsten leeren Veranstaltungsjahr 2020. Vor dem ersten Lockdown und im Oktober fanden zumindest zwei Wettkampftage in der Bundesliga statt, in der die junge und von Igüs sowie Marielle Billet angeführte KRK-Riege sich beachtlich schlug und aktuell auf Platz drei steht.

Igüs Ziel für 2021: Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften

Die Bundesliga, darauf sei eigentlich auch ihr Fokus gerichtet gewesen, blickt Igüs zurück. 2019 erst hatte sie ihre Liga-Premiere gefeiert, nach den überraschenden Abgängen von Emma Höfele und Isabelle Stingl, die beide ihre Karriere beendeten, war die Pfinztalerin aus Söllingen plötzlich mit in der ersten Reihe. „Krass“, fand das Igüs damals. Nicht ahnend, dass es noch viel krasser wurde und sie später auch ihr zweites großes Jahres-Ziel abhaken musste: die deutschen Jugendmeisterschaften.

Die sind offiziell zwar noch immer für Ende dieses Monats terminiert - mitmachen dürfen aber nur Kader-Athleten. Für Igüs wäre es die letzte Junioren-Chance gewesen, nächstes Jahr startet sie im Feld der Großen. Und das ist auch schon ein erstes Ziel für 2021: die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften. Wenn nicht doch wieder vieles anders kommt.

Zur Person

Alisha Igüs gehört dem Bundesliga-Team der Kunstturn Region Karlsruhe an. Stammverein der 15-Jährigen ist die TG Söllingen, Lieblingsgerät der Barren. Igüs besucht das OHG-Sportgymnasium und trägt lieber Maske im Unterricht, als wieder alleine zu Hause lernen zu müssen. „Home-Schooling war total ätzend“, sagt Igüs.

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