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Das ausgefallene Familienfest

„Sportler des Jahres“: Für die Bayern, Mihambo und Draisaitl endet das Jahr ausgezeichnet

Bei der Ehrung zum Sportler des Jahres in Baden-Baden gewinnt zum zweiten Mal in Serie Weitspringerin Malaika Mihambo, bei den Männern Eishockey-Star Leon Draisaitl von den Edmonton Oilers. Als beste Mannschaft wurden die Fußballer des FC Bayern München gewählt.

Malaika Mihambo (Weitsprung wurde Sportlerin des Jahres 2020 ausgezeichnet. Foto: Markus Gilliar/GES

Da schossen selbst den paar hart gesottenen Athleten die Tränen in die Augen. Aber um die Eindringlichkeit eines Nasenabstrichs war am Sonntag keiner der Teilnehmer an der abgespeckten Corona-Ausgabe der „Sportler des Jahres“ im Baden-Badener Kurhaus herumgekommen.

Alles auf Abstand

Dort, wo sich sonst kurz vor Weihnachten die deutsche Sportfamilie zum beschwingten Miteinander trifft, ging es vor allem um eines: um strikte Einhaltung der Hygienevorschriften und um die Sicherheit der TV-Produktion im Zweiten.

Den gewohnten feierlichen Rahmen und die Anmutung des Produkts konservierte man nach Bewältigung der Schnelltests am Abend so gut es eben ging. Die zum Anlass produzierten FFP-2-Masken dürften einmal Sammlerwert entwickeln, und an dieses unwirkliche Pandemie-Jahr mit ausgefallenen Olympischen Spielen und einer abgesagten Fußball-EM für immer erinnern.

Anstelle der sonst 700 Gäste im Bénazet-Saal blieb es beim handverlesenen Kreis von um die 90 Beteiligten.

Carl Lewis muss auf Mihambo noch warten

Die Sportlerin des Jahres hatte das ZDF-Duo schon ein Jahr davor an Ort und Stelle ausgezeichnet, als alles noch so unbeschwert und von stehenden Ovationen begleitet war. Die Weitspringerin Malaika Mihambo freute sich. Natürlich. „Das war ein außergewöhnliches Jahr.

Von daher war nicht damit zu rechnen. In der Leichtathletik gab es keine großen, außergewöhnlichen Wettkämpfe“, sagte die 26 Jahre alte Heidelbergerin auf der Bühne, die 2020 zwei Weltjahresbestleistungen aufgestellt hatte und die natürlich wie alle Athleten darauf hofft, dass 2021 in Tokio die verschobenen Olympischen Spiele stattfinden können.

Das Wichtigste ist, dass man als Sportlerin die Motivation behält.
Maleika Mihambo

Das Training mit ihrem künftigen Trainer, der US-amerikanischen Olympia-Legende Carl Lewis, muss nun warten. „Es ist alles viel schwieriger als in gewöhnlichen Jahren. Das Wichtigste ist, das man als Sportlerin die Motivation behält“, meinte Mihambo.

Video-Sessions mit der Welt: die Draisaitls

Viele Gesichter gab`s in Baden-Baden am Sonntagabend, wie das die Menschen im Pandemie-Kontext zwischenzeitlich gewohnt sind: Video-Sessions mit der Welt, auch mit dem Sportler des Jahres. „Guten Abend und herzlichen Glückwunsch nach Edmonton“, begrüßten die Moderatoren den Eishocley-Superstar Leon Draisaitl, den Topscorer und wertvollsten Spieler der National Hockey League von den Oilers. Der aus Kanada zugeschaltete Kölner auf den Spuren des legendären Wayne Gretzky bedankte sich artig.

„Es ist eine Riesensache. Ich bin sehr stolz. Ohne die Hilfe von vielen, vielen Menschen ist das nicht möglich. Wir haben so viele geniale Sportler in Deutschland. Es ist etwas ganz Besonderes, ganz oben zu stehen.“

Als Laudator schaltete das ZDF Draisaitls Vater Peter zu. Der frühere Nationalspieler, heute Trainer in Bratislava, sagte: „Ich glaube nicht, dass es in Deutschland etwas Größeres gibt. Alle, die ich kenne, Freunde, Familie sind mächtig stolz. Bleib wie du bist. Schöne Weihachten!“ Große Emotionen: diesmal nicht.

Rummenigge, Salihamidzic und Süle schauen vorbei

Von den Bayern lernen, heißt siegen lernen, meinte Cerne bei der Präsentation der „Mannschaft des Jahres“. Natürlich hatte kein Weg am Triple-Gewinner vorbeigeführt. Der frühere Box-Weltmeister Wladimir Klitschko schmiss sich für seine Video-Laudatio in ein Bayern-Dress. „Ihr seid nicht nur das beste Team und die Mannschaft des Jahres.

Niklas Suele (stellvertretend für den FC Bayern München (Fussball | Mannschaft des Jahres 2020)). Foto: Markus Gilliar/GES

Ihr seid für mich die beste Mannschaft der Welt.“ Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsmitglied Hasan Salihamidzic und Nationalspieler Niklas Süle waren als Delegation des Rekordmeisters vor Ort – und direkt nach ihrem Auftritt schnell auch wieder weg. Nicht ohne den Journalisten noch „frohe Weihnachten“ und einen „guten Rutsch“ zu wünschen.

Was zu sagen war, hatte Rummenigge auf der Bühne gesagt. „Die Mannschaft spielt aus einem Guss. Sie macht eine Riesenfreude. Ich bin ein noch größerer Fan der Mannschaft geworden“, schwärmte Rummenigge vom Weihnachts-Meister, der in diesem Jahr fünf von fünf möglichen Titel gewann.

„Das Jahr 2020 fing super an. Gestern hat es Last-Second großartig geendet“, meinte Rummenigge zur Übernahme der Tabellenführung am Samstagabend durch den 2:1-Sieg in Leverkusen.

Hörmann glaubt an die beiden Spiele binnen weniger Monate 2021/2022

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), war natürlich gefragt. Direkt vor Ort. Ob die Olympischen Spiele in Tokio 2021 stattfinden werden? „Wir gehen davon aus. Wir hoffen sehr, dass es in Tokio und wenige Monate später mit den Winterspielen in Peking klappen wird“, erklärte Hörmann.

Statt der üblichen Emotionen und Interviews im vollen Saal gab es diesmal als Programmfüller eine Premiere, neue Kategorien nämlich. Als „Sport-Legende des Jahrzehnts“ rückte das ZDF die 2011 zurückgetretene Biathlon-Ikone Magdalena Neuner ins Rampenlicht – und danach den Basketball-Superstar Dirk Nowitzki. Aus den USA zugeschaltet.

Dirk Nowitzki (Basketball | Sporlegende des Jahrzehnts, Männer) bei der Preisverleihung. Wegen der Corona-Pandemie und den geltenden Hygienevorschriften wurden die Sportler per Videokonferenz in den Saal zugeschaltet. Foto: Markus Gilliar/GES

Und sichtlich bewegt doch auch, nachdem ihm Gewichtheber-Olympiasieger Matthias Steiner als angehenden „Sportler des Jahrhunderts“ und als „Mythos“ und mit weiteren rührenden Worten bedacht hatte.

„Warum haben alle Respekt vor dir? Weil du Respekt vor jedem Menschen hast. Du bist eines der größten Vorbilder der heutigen Zeit. Jeder kleine Junge kann sich von dir etwas abschneiden. Danke an die Familie in Würzburg. Sie haben einen kleinen Jungen einen großen Traum leben lassen.“

Nowitzki genießt die Basketball-Rente, habe es nicht eilig, in den Sport zurückzukehren. „Nachdem ich 21 Jahre immer unterwegs war, trainiert habe, nie den Sommer genießen konnte, wollte ich erstmal Abstand gewinnen vom Sport.“

Walkenhorst/Ludwig „Mannschaft des Jahrzehnts“

Als „Mannschaft des Jahrzehnts“ ehrte das ZDF die Beachvolleyball-Olympiasiegerinnen von 2016, Kira Walkenhorst und Laura Ludwig. Sie sind inzwischen Mütter und Gegnerinnen auf der Tour. Ihr Ziel: die Spiele in Tokio. Im Rahmenprogramm der Geister-Gala gab weitere Ehrungen. Als „Trainer des Jahres“ wurde Bernd Berkhan, der Cheftrainer des Deutschen Schwimmbundes, geehrt.

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst (Beachvolleyball | Sportlegenden des Jahrzehnts, Mannschaften) mit der Trophäe. Foto: Markus Gilliarr/GES

„Es ist schade, dass man so einen wichtigen Moment in seiner Karriere in der Pandemie-Situation erleben muss. Trotzdem macht er mich stolz“, sagte Berkhan. Den mit 16.000 dotierten Preis als „Newcomerin des Jahres“ nahm Bahnrad-Sportlerin Lea Sophie Friedrich entgegen, sie wurde Teamsprint-Weltmeisterin mit Emma Hinze und Pauline Grabosch.

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