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1,1 Millionen Bilanzgewinn

Volksbank Ettlingen kommt gut durch die Corona-Krise und will Ertrag steigern

Die Volksbank Ettlingen ist bislang zufriedenstellend durch die Corona-Krise gekommen. Bei der Vertreterversammlung wurde die Bilanz 2020 präsentiert und zwei Prozent Dividende beschlossen. Der neue Vorstandssprecher Matthias Heck kündigte ein Hausbankmodell.

Engagement über viele Jahre: Der Ende 2020 ausgeschiedene Volksbank-Vorstandssprecher Wolfram Trinks wurde bei der Vertreterversammlung im Schlosshof verabschiedet und erhielt lang anhaltenden Applaus. Foto: Rainer Obert

„Morgen kann kommen.“ Unter diesem Motto fand die Vertreterversammlung der Volksbank Ettlingen zum Geschäftsjahr 2020 als Präsenzveranstaltung im Schlosshof statt. Dabei wurde deutlich, dass die einzige noch eigenständige Bank im Albtal passabel durch die Corona-Krise gekommen ist. Auf dem Weg in die Zukunft wird sich indes einiges ändern, das klang beim Ausblick des neuen Vorstandssprechers Matthias Heck an.

Vorstandsmitglied Thomas Reinig machte deutlich, dass die prägenden Trends 2020 erhalten blieben. Dazu gehört die anhaltende Niedrigzinsphase, die die Bilanz weiter negativ beeinflusse. Der Bilanzgewinn ist laut Reinig „mit 1,1 Millionen Euro ein gerade noch zufriedenstellendes Ergebnis“.

Das Eigenkapital habe gestärkt werden können und man blicke auf eine ausreichende Risikovorsorge. Die hohe Kreditnachfrage war 2020 ungebrochen, man lag letztlich bei 549 Millionen Euro (2019: 540 Millionen).

Kundeneinlagen steigen weiter

Das gesamte betreute Kundenvolumen stieg nochmals um 3,8 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro. Geld auf die hohe Kante zu legen sei für viele Kunden nach wie vor das Mittel der Wahl. Die kurzfristig angelegten Kundeneinlagen stiegen weiter von 769 auf 806 Millionen Euro.

Viel zu holen ist dabei an Verzinsung nicht. „Eine reale Schmälerung des Vermögens wird in Kauf genommen, statt nach Beratung in rentablere Anlagen anzulegen“, gab Reinig zu Bedenken.

Die Bilanzsumme lag 2020 bei 934 Millionen Euro, ein Plus von 5,2 Prozent. Angesichts des Jahresüberschusses wird es eine Dividendenausschüttung von zwei Prozent geben, die Europäische Zentralbank (EZB) empfiehlt grundsätzlich keine oder eine sehr begrenzte Ausschüttung. 422.000 Euro gehen also an die insgesamt 18.716 Mitglieder der Volksbank Ettlingen.

Neuer Vorstandssprecher mit Ettlinger Wurzeln

Aufsichtsratsvorsitzender Alexander Schreiber stellte nochmals den seit Januar tätigen neuen Vorstandssprecher Matthias Heck (46) vor, der von der Sparkasse Gengenbach zurückkehrte. In Ettlingen aufgewachsen, habe er ja bei der Volksbank Ettlingen gelernt, war Prokurist und Leiter des Firmenkundenbereichs.

Präsent zum Abschied: Der bisherige Vorstand Wolfram Trinks (rechts) erhielt vom Volksbank-Aufsichtsratsvorsitzenden Alexander Schreiber einen bunten Domspatz seinen Lieblingskünstlers Otmar Alt. Foto: Diana Meister

„Er kannte die Menschen und die Kunden.“ Heck attestierte trotz Corona im vergangenen Jahr eine „bemerkenswert gute Grundstimmung“ bei Investoren und Häuslebauern. Es sei „keine große Delle“ zu verzeichnen. Für 2021 sieht Heck, dass das Wertpapiergeschäft immer populärer werde.

Schwindender Zinsüberschuss bereitet Kopfzerbrechen

Große Probleme habe man bei der Nachwuchsgewinnung von Servicekräften und daher ein Quereinsteiger-Programm gestartet. In diesem Jahr hoffe man auf 21 neue Kolleginnen und Kollegen. Ende 2020 waren es 155 Mitarbeiter.

Der Niedrigzins und der schwindende Zinsüberschuss, die größte Ertragsquelle der Volksbank, beschäftigen auch den Vorstandssprecher. Laut Heck schmolz dieser von 17 Millionen Euro im Jahr 2014 auf noch 13 Millionen Euro 2020. Seit 2014 zahle man gar ein Verwahrentgelt an die EZB, das „enorm belastet“.

Die Volksbank Ettlingen kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen.
Matthias Heck, Volksbank-Vorstandssprecher

„Die Volksbank Ettlingen kann sich dieser Entwicklung nicht entziehen“, so Heck. Bisher verlangte die Volksbank selbst nur für sehr große Einlagen Verwahrentgelt. Ab Spätjahr 2021 werde man dies ab „einem deutlich niedrigeren Einlagevolumen berechnen“. Es werde aber nicht flächendeckend eingeführt.

Freigrenzen werde man individuell festlegen, etwa nach Geschäftsumfang und langjähriger Beziehung zum Kunden. Klar sei: „Nur ein kleiner Prozentsatz unserer Kunden wird überhaupt Verwahrentgeld bezahlen müssen.“

Volksbank Ettlingen hat Hausbankmodell im Visier

Ab November werde die Volksbank Ettlingen überdies das Hausbankmodell einführen. Im Zuge dessen werde man die Kontenmodelle komplett überarbeiten, statt Fixpreisen werde es Preisspannen geben. Das heiße vereinfacht: „Je höher die Treue und Verbundenheit, desto günstiger ist der Preis, im besten Fall null.“ Beispielsweise sei ein Treuebonus geplant.

Weitere Informationen werde es ab August geben. Man spüre „kontinuierlichen Druck auf die Ertragslage“. Sie müsse ab 2022 kontinuierlich gesteigert werden. Reine Kontoauszugsdrucker soll es ab Jahreswende nicht mehr geben, hier müsste man laut Heck neu bestellen, wofür ein sechsstelliger Betrag anfallen würde. Es stünden aber weiter die Drucker der Service-Terminals zur Verfügung.

„Wie sie für uns gekämpft haben“, lobte Alexander Schreiber dann den bisherigen Vorstandssprecher Wolfram Trinks, der Ende 2020 nach 17 Jahren an der Spitze der Volksbank in Ruhestand ging. Aus seinem großen Wunsch machte Trinks keinen Hehl: „Dass wir hier in Ettlingen noch lange eine selbstständige Volksbank bleiben werden.“

Er dankte für die ihm gegebenen Chancen und Möglichkeiten und für das Vertrauen in einem „hervorragenden Geschäftsgebiet mit hochmotivierten Mitarbeitern“. Er habe viele Jahre ein Teil sein dürfen. „Das macht mich stolz.“ Die Vertreterversammlung spendete Trinks lang anhaltenden Applaus.

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