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Mögliche Lockdown-Verlängerung

Pforzheims Fitnessstudios bangen um ihren wichtigsten Monat

Von Frauensport bis Kampfsport haben die Betreiber von Fitnessstudios mit dem Lockdown zu kämpfen. Der Januar spielt in der Jahresplanung für sie eine zentrale Rolle. Nun kämpfen sie um die Treue ihrer Mitglieder.

Ungewohnte Leere: Fitness-Trainerin Sylke Schwedtke vermisst ihre Schützlinge im Studio „Ladyfitness“ in Pforzheim und sorgt sich um deren Gesundheit ohne Sport. Foto: Herbert Ehmann

Es ist einsam um Sylke Schwedtke geworden. Die Leiterin des Studios „Feelgood Ladyfitness“ für Frauen in Pforzheim wäre in diesen Zeiten normalerweise umringt von zahlreichen Neumitgliedern, die nun alle den Weihnachtsspeck abtrainieren würden.

Doch aufgrund des Corona-Lockdowns wird aus dem sonst so umsatzstarken Januar im Fitnessbereich ein Monat der Durchhalteparolen – obwohl die Welt der Fitnessstudios sehr divers ist.

Im November war noch Individualtraining möglich

„Der erste Januar ist diesmal halt der Tag, an dem wir wieder öffnen dürfen“, sagt sie pragmatisch. „Wir packen das gemeinsam, wir setzen auf Solidarität.“ Sprich: Darauf, dass die Mitglieder auch weiterhin ihre Beiträge bezahlen, auch wenn sie nicht trainieren können. Immerhin eine handvoll Mitarbeiter, Schwedtke mit eingeschlossen, leben von diesen Einnahmen. „Im November haben wir noch Individualtrainings durchgeführt. Mittlerweile geht auch das nicht mehr“, berichtet Schwedtke, die mit zwei Azubis die Stellung hält. „Immerhin haben wir Musik laufen, damit es nicht ganz so langweilig wird.“

Als Trainerin macht sie sich vor allem um ihre Schäfchen Sorgen, nicht nur um die Firma, deren Inhaber Tom Höhnke ist. „Wir haben viele Mitglieder, die krank sind. Manche habe Bandscheibenvorfälle, andere Rückenprobleme“, sagt sie. Fitnessstudios seien eben nicht immer „Muckibuden“, sondern leisteten auch einen wertvollen Beitrag zur allgemeinen Gesundheit.

Auch das Soziale sei wichtig. Und viele ihrer Mitglieder hätten gar nichts von den Lockdown-Maßnahmen mitbekommen. Deshalb ist Schwedtke auch immer noch im Büro – um am Telefon enttäuschte Mitglieder zu vertrösten.

Fitness-Factory-Betreiber kritisiert Regierung

Rigoroser ist da Frank Edelmann vorgegangen. Seit fast 38 Jahren betreibt er die Fitness Factory Pforzheim, mittlerweile mit 25 Mitarbeitern, Solo-Selbstständigen et cetera. Auf Online-Angebote etwa hat er gänzlich verzichtet. „Da kann ich die Gruppe nicht sehen. Ich weiß nicht, ob die auch wirklich die Übung machen“, sagt er. Und man wolle ja Qualität und Service bieten. Auch er sorge sich um die Gesundheit seiner Mitglieder. „Es gibt ja nicht nur Corona. Viele trainieren auch, weil sie das aus gesundheitlichen Gründen müssen“, betont er. „Das sollte die Politik nicht vergessen.“

Edelmann spürt eine große Wut auf die Regierung. Die November- und Dezember-Beiträge habe er bewusst nicht eingezogen, da er auf die von der Regierung angekündigten Novemberhilfen gesetzt hatte. „Das Geld ist noch immer nicht geflossen“, klagt Edelmann. Zum Januar habe er also wieder Beiträge eingezogen – und deshalb einige Diskussionen mit Mitgliedern führen müssen. Er könne ja derzeit keine Leistung anbieten „Wenn wir wenigstens ein wenig trainieren lassen könnten, dann biete ich offiziell eine Leistung an und habe Anspruch auf Beiträge“, schildert er das Dilemma. Es herrsche ein „faktisches Berufsverbot“. Und das ausgerechnet jetzt, im „Monat der guten Vorsätze“, der selbst beim alten Hasen besonders wichtig ist. „Eigentlich sind es die ersten drei Monate“, meint Edelmann, der die zögerliche Haltung von Bund und Land kritisiert und klare Ansagen und Strategien im Umgang mit der Pandemie fordert.

65 Jahre wird Edelmann in diesem Jahr alt, da kommen automatischen Gedanken an das Ende. Aber so sollte es nicht sein. „Es ist mein Baby“, sagt er über sein Studio, „die 40 sollte es schon noch erreichen“. Und dafür kämpfe er, so weit das eben möglich sei.

Gründer Kohl übernahm erst im Februar 2020

Wie heterogen die Fitness-Welt ist, zeigen im Gegensatz dazu Raphael Kohl und sein „Iron Gym“. Der Oberflächenbeschichter hat sich vor einem Jahr einen Traum erfüllt und ein Fitnessstudio in Pforzheim übernommen, genauer gesagt im Februar 2020. Ein schlechteres Timing hätte es kaum geben können – der erste Lockdown startete im März.

„Das habe ich mir natürlich anders vorgestellt“, sagt er. „Ich bin aber kein Typ, der aufgibt.“ Seine 150 Mitglieder kommen zum Teil aus dem Bodybuilding- und Kampfsport-Bereich. „Auch an die sollte man in der Krise denken“, fordert er. „Denen brechen Wettbewerbe weg und damit Einnahmen. Denen hätte man wenigstens die Einzeltrainings lassen müssen.“ Er betont den sportlichen Aspekt der Fitnessstudios: „Sport tut der Seele gut. Das gibt einem viel zurück.“ Und das dürfe in der Pandemie doch nicht einfach unter den Tisch fallen.

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