Skip to main content

Hilferuf mit Folgen

Warum ein Polizeihubschrauber zwei Teenager bei Wimsheim jagte

Ein Missverständnis sorgte für einen spektakulären Einsatz im östlichen Enzkreis. Die Polizei dachte, sie müsse Leben retten. So kam es zu einer skurrilen Szene.

Über den Wolken: Die Polizei fahndete nach einem möglichen Verbrecher - dabei waren es nur zwei alkoholisierte Teenager. Foto: Airbus Helicopters (c) Christian

Es war ein ungleiches Duell, das sich zwei Teenager am Donnerstag mit der Polizei bei Wimsheim lieferten. Zwei Betrunkene, die das Ende einer Corona-Party verpasst hatten, gegen vier Streifen, Wald gegen Hubschrauber mit Wärmebildkamera. Das Ergebnis: Die Polizei hat gewonnen. Nur was genau, das ist noch offen.

Das ist geschehen: Um 18.05 Uhr klingelt das Telefon bei der Polizei. Anwohner haben in der Nähe des Sportplatzes in Wimsheim Hilferufe gehört. Als eine Streife dann eintraf, hörte auch die die Hilferufe aus dem Wald.

Nachdem man die Quelle der Schreie nicht verorten konnte, baten die Beamten um Verstärkung. Gegen 19.15 Uhr erreichte der Polizeihubschrauber den Einsatzort.

Das Ganze ist keinesfalls lustig, zumindest nicht für die Polizei, wie Polizeisprecher Dirk Wagner erläutert: „Es kommen immer wieder Hilferufe aus dem Wald. Wir sind von einer möglichen Notlage ausgegangen.“

Der letzte prominente Fall von entsprechenden Notrufen ist gar nicht lange her: Kurz vor Weihnachten waren zwei Menschen im 17 Kilometer entfernten Ölbronn-Dürrner Forst entdeckt worden, die später auch in den Krankenhäusern starben. Die Obduktionsergebnisse stehen noch aus, die Todesursache bleibt unklar. Der Fall hatte deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt.

Wärmebildkamera entdeckt die Teenager

Diesmal aber gab es ein weniger dramatisches Ende. Denn die Wärmebildkamera offenbarte: Es waren nur zwei Menschen im Wald. „Man konnte aber nicht sehen, wie alt diese Menschen sind“, erklärt Wagner die technischen Hintergründe. Die beiden ergriffen daraufhin die Flucht, doch ihre Körpertemperatur verriet sie, woraufhin die Streifenpolizisten sie doch noch schnappten.

Schließlich stellte sich heraus: Die Schreie kamen wohl von einem der beiden, einem 18-Jährigen. Der hatte sich, nachdem eine Corona-Party mit mutmaßlich 15 Teilnehmern beendet war, den Fuß leicht vertreten. „Die ersten zwei Aua-Schreie können sogar berechtigt gewesen sein“, kommentiert Wagner.

Dann habe er wohl Gefallen am Schreien gefunden, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Der Alkoholtest ergab zwei Promille. Seine Begleiterin, leicht alkoholisiert und 16 Jahre alt, wurde den Erziehungsberechtigten überstellt. Die beiden stammten aus der näheren Region um Wimsheim.

Polizei fahndet nach weiteren Teilnehmern der Party

Wie es nun weitergeht, das ist zunächst unklar. Die Polizei versucht, auch die anderen Teilnehmer der Party zu ermitteln, Zeugenaussagen würden ausgewertet. Auch werde der Wald noch einmal auf Spuren untersucht. Ob die Jugendlichen den Polizeieinsatz bezahlen müssen, ist derweil noch nicht klar, sagt Wagner.

Das sei nun auch Ermessensfrage, ob der Einsatz notwendig war, um den betrunkenen und sehr leicht verletzten 18-jährigen zu retten, oder nicht. Auch könne man über das Bußgeld für eine etwaige Corona-Party noch keine Angaben machen. Das sei in seiner Höhe etwa davon abhängig, ob die Party organisiert war oder spontan.

Wagner stellt aber fest: „Wegen einer Corona-Party schicken wir normalerweise keinen Hubschrauber.“ Zudem waren gleich vier Streifen im Einsatz. Um 22.45 Uhr war der Einsatz beendet.

nach oben Zurück zum Seitenanfang