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Kosten, Fertigstellung, Aufbau

Neues Wildparkstadion in Karlsruhe: Was man zum Neubau des KSC-Stadions wissen muss

Seit November 2018 wird das Wildparkstadion des KSC umgebaut. An gleicher Stelle entsteht ein neues Stadion. Alle Infos zu Kosten, Fertigstellung und News zur Baustelle sowie Bilder des Neubaus gibt’s im BNN-Überblick.

Wo das alte Wildparkstadion stand, wird ab Mitte 2022 ein neues Fußballstadion zu finden sein. Foto: Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark

Das Wildparkstadion in Karlsruhe ist die Spielstätte des KSC. Seit November 2018 wird das Stadion umgebaut. An gleicher Stelle am Adenauerring entsteht ein kompletter Neubau für die Fußballspieler und Fans.

Das neue, reine Fußballstadion erhält durch einen Sponsoringvertrag auch einen neuen Namen: Es heißt BBBank Wildpark – und das bereits seit dem 1. Juli 2021, also noch vor der Fertigstellung des Stadions. Die Namensrechte wurden vorerst bis 2026 erworben.

Die Besonderheit am Stadionneubau in Karlsruhe ist, dass dieser bei laufendem Spielbetrieb durchgeführt wird. Trotz sämtlicher Baumaßnahmen muss durchgehend ausreichend Platz für die Fans sein, wenn der Karlsruher SC seine Spieltage in der 2. Fußball-Bundesliga absolviert.

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Das Wildparkstadion in Karlsruhe wird ein reines Fußballstadion. Mitte 2022 soll der Neubau abgeschlossen sein. Foto: Markus Gilliar/GES

KSC-Stadion in Karlsruhe: Wie lange dauert der Neubau?

Der Neubau des Fußballstadions in Karlsruhe sollte eigentlich Mitte 2022 abgeschlossen sein. Im Juli 2021 wurde dann bekannt, dass sich die Fertigstellung wohl um mehrere Monate verzögern wird. Hintergrund soll unter anderem Baustoffmangel aufgrund der Corona-Pandemie sein. Ein genauer Termin für die Fertigstellung steht aktuell nicht fest.

Nach einem Jahr der Vorarbeiten, die im November 2018 starteten, begann der eigentliche Wildparkstadion-Neubau im Dezember 2019. Während des Stadion-Neubaus muss stets eine Mindestanzahl von 15.000 Plätzen für Zuschauer während der Fußballsaison garantiert sein. Der KSC hatte sich aber darum bemüht, eine Ausnahmegenehmigung für diese Regel für Zweitliga-Stadien zu bekommen.

Diese wurde Mitte 2020 aufgrund des coronabedingten Ausschlusses der Öffentlichkeit bei Fußballspielen auch für eine bestimmte Zeitspanne gegeben. Dadurch konnten Tribünen schneller umgebaut werden. Zusätzlich wurde die Fußball-Saison aufgrund der Corona-Pandemie teilweise unterbrochen oder Partien fanden als Geisterspiele statt.

ProjektStadion-Neubau in Karlsruhe
Bauzeit9. Dezember 2019 bis Mitte/Ende 2022
EigentümerStadt Karlsruhe
BetreiberEigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark
AdresseAdenauerring 17, 76131 Karlsruhe

Das kostet das neue Wildparkstadion in Karlsruhe

Das neue KSC-Stadion wird voraussichtlich Gesamtkosten von bis zu 143 Millionen Euro verursachen.

Ursprünglich war man von Kosten in Höhe von 123 Millionen ausgegangen. 76 Millionen dieser Investitionssumme waren für den eigentlichen Stadionkörper vorgesehen, daneben 28 Millionen Euro für die Infrastruktur rund ums Stadion. Die Vorabmaßnahmen, die mit zwölf Millionen Euro eingeplant waren, lagen deutlich unter dieser Summe. Die eingesparten Millionen blieben aber als Risikovorsorge im Projekt.

Elf Millionen Euro Zuschuss kommen vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg. Nach Fertigstellung des Stadions wird der Pachtvertrag mit der KSC Betriebsgesellschaft Stadion mbH in Kraft treten. Der KSC muss dann – je nach Ligazugehörigkeit – eine feste jährliche Rate zurückzahlen. In der zweiten Liga beträgt diese 1,5 Millionen Euro, in der ersten Liga 3,5 Millionen Euro, in der Dritten Liga 400.000 Euro.

Im Mai 2020 informierte die Stadt die Gemeinderäte darüber, dass das Gesamtprojekt Wildparkstadion nach der Fertigstellung bei einem „Worst-Case-Szenario“ bei 142 Millionen statt der geplanten 119 Millionen Euro landen könnte. Trotz Ärgers über die Kostensteigerung war niemand an einer „Bauruine“ im Wildpark interessiert – zwei Drittel der Räte sprachen sich für den Weiterbau aus.

Hintergrund der Kostensteigerung beim Stadionneubau waren unter anderem das größere Regenrückhaltebecken, die Dachkonstruktion – ein italienischer Zulieferungsbetrieb war während Corona geschlossen – sowie die Neustrukturierung des Birkenparkplatzes.

Aufbau und Kapazität: Was das neue KSC-Stadion auszeichnet

Wie viele Zuschauer passen ins Stadion?

Das neue KSC-Stadion, der BBBank Wildpark, soll nach KSC-Angaben Platz für 34.302 Zuschauer bieten. Diese sollen auch deutlich näher ans Spielfeld rücken als im bisherigen Karlsruher Wildparkstadion und alle Plätze sollen überdacht sein.

3.500 Plätze der Gesamtzahl sind für Gästefans vorgesehen. Insgesamt beträgt der Anteil an Stehplätzen nach Angaben des Eigenbetriebs Fußballstadion im Wildpark 36 Prozent.

Das neue Fußballstadion BBB Wildpark in Karlsruhe bietet Platz für über 34.000 Zuschauer. Die Tribünen rücken zudem näher ans Spielfeld. Foto: Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark

Haupttribüne, Fanshop und Kioske – so ist das Stadion aufgebaut

Das fertige Ein-Ring-Fußballstadion in Karlsruhe soll nicht weniger als ein „Hexenkessel“ sein, kündigte die Stadt 2018 an. Um dieses Versprechen schnellstmöglich einlösen zu können, wird am neuen Wildparkstadion von Montag bis Samstag gearbeitet. Y-Stützen prägen rundum die Außenansicht des neuen Karlsruher Fußballstadions. Sie dienen als Rückverankerung des Stadiondaches und sind 22 Meter hoch.

Eine Stahlkonstruktion bestimmt das Dach, dazu transparente Platten aus Kunststoff. Über den Rängen der Zuschauer besteht die Überdachung aus Trapezblech. Die vier alten Flutlichtmasten im Wildparkstadion fallen. Stattdessen kommt das Licht im neuen Stadion von Strahlern, die in die Dachkonstruktion integriert sind. Wer einen virtuellen Rundgang durch das neue Stadion möchte, hat dazu die Möglichkeit in einem 3D-Modell des BBBank Wildpark.

Die Y-Stützen werden um das ganze Stadion in Karlsruhe positioniert. Sie nehmen die Zug- und Druckkräfte aus der Hebelwirkung der Dachkonstruktion auf. Foto: Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark

Im neuen Promenadenbereich unterhalb der Tribünen sind sanitäre Anlagen, Merchandising-Shops sowie Kioske zu finden. Es entstehen rund 20 Kioske im neuen KSC-Stadion. Hier können sich die Fans mit Getränken und Stadionwurst versorgen.

Auch die Barrierefreiheit ist mehr gegeben als bisher: Es gibt eine Rampe ins Stadion, rollstuhlgerechte Toiletten, einen Aufzug in die Arena und insgesamt 103 Plätze für Rollstuhlfahrer.

Der VIP-Bereich ist im Bereich der neuen Haupttribüne zu finden – mit Businessbereich und Loungebereich sowie separatem Logenbalkon und gastronomischem Angebot. Ebenfalls in der Haupttribüne findet sich ein großer Raum, der auch außerhalb von Fußballspielen gemietet werden kann.

Betreiber und Bauherr: Wer ist für den Stadion-Neubau zuständig?

Der Stadt Karlsruhe gehört das Stadion, sie ist auch Bauherrin für das neue Stadion. Auch die Finanzierung läuft über die Stadt. Der KSC selbst ist Pächter. Die KSC Betriebsgesellschaft Stadion mbH als hundertprozentige Tochtergesellschaft wird anschließend für den Betrieb des neuen Stadions zuständig sein.

Der städtische Eigenbetrieb, konkret der „Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark“ (EiBS), ist seit Januar 2018 für Bau, Betrieb und Finanzierung des KSC-Stadions zuständig. Unterstützt wird der Eigenbetrieb von der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), die für Großprojekte wie die Kombilösung Karlsruhe bekannt ist.

Der deutsch-niederländische Baukonzern BAM Sports GmbH mit Sitz in Düsseldorf führt den Stadionneubau durch. Die BAM hat unter anderem auch die Opel Arena in Mainz und das FNB Stadium in Johannesburg gebaut. Daneben ist das Architekturbüro agn federführend für die architektonische Gestalt verantwortlich.

Rückblick: Von der Idee zum Abschied vom Wildparkstadion

Aus Brandschutzgründen hätte die Gegengerade des Karlsruher Stadions bereits im Jahr 2006 erneuert werden müssen. Generell hatte die Spielstätte des KSC ihre besten Jahre bereits hinter sich, sodass eine Sanierung immer häufiger thematisiert wurde. Allerdings war lange nicht klar, ob das alte KSC-Stadion lediglich umgebaut oder komplett neu gebaut werden sollte.

Auch alternative Standorte für einen möglichen Neubau wurden gesucht – beispielsweise stand die Hub in Karlsruhe-Durlach in der Diskussion. Im Dezember 2013 entschied der Karlsruher Gemeinderat jedoch mit 36 zu 11 Stimmen, dass das Stadion am Standort Wildpark bleiben solle.

In der Folge begannen die Planungen über die Zukunft des Wildparkstadions in Karlsruhe. Neben Experten wurde bei Bürgerforen auch die Öffentlichkeit eingebunden.

Entscheidung für einen Neubau

Die Entscheidung für den Bau eines neuen Fußball-Stadions in Karlsruhe statt einer Sanierung fiel am 19. Juli 2016 im Gemeinderat. Damals ging man noch von Kosten in Höhe von 113 Millionen Euro für das Projekt aus. Abgeschlossen sollte der Neubau nach zwei bis 2,5 Jahren sein. Im November desselben Jahres unterschrieben Oberbürgermeister Frank Mentrup und KSC-Präsident Ingo Wellenreuther das 113 Seiten starke Vertragswerk. Im Herbst 2018 gab der Gemeinderat dann endgültig grünes Licht.

Das Spiel, das als Abschied aus dem alten Wildparkstadion galt, fand am 3. November 2018 statt. Damals spielte der Karlsruher SC in der 3. Fußball-Bundesliga gegen die Würzburger Kickers und gewann 2:1. Anschließend fand eine spektakuläre Pyro-Show zur Verabschiedung der jahrzehntelangen Heimspielstätte statt.

Am 5. November 2018 startete nach 63 Jahren Wildparkstadion der Umbau der KSC-Spielstätte in ein reines Fußballstadion.

Neues KSC-Stadion: Ablauf des Neubaus in Karlsruhe

Der Umbau des Stadions in Karlsruhe erfolgt in drei Bauabschnitten, ehe es 2022 fertiggestellt sein soll. Sobald ein Bauabschnitt abgeschlossen ist, wird er für den laufenden Spielbetrieb geöffnet. Auf diese Weise kann man die Mindestanzahl an Zuschauern während der Fußballsaison aufrecht erhalten.

Vorarbeiten: Abriss der Tribünen und Bau der Provisorien

In einer ersten Phase von November 2018 bis April 2019 wurde die Nordtribüne des Wildparkstadions abgerissen. Um weiterhin die Mindestanzahl von 15.000 Zuschauerplätzen für den laufenden Saisonbetrieb sicherstellen zu können, entstand dort eine provisorische Tribüne mit 5.000 Stehplätzen.

Im Anschluss folgte von April 2019 bis Spätsommer 2019 der Abriss der Südtribüne, die ebenfalls durch eine provisorische Tribüne ersetzt wurde.

Mitte 2019 waren große Teile der Osttribüne – der früheren „Gegengerade“ – im KSC-Stadion schon Geschichte. Im Anschluss wurden die Materialien sortiert und entsorgt. Foto: Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark

Besonders der Abriss der Gegengerade im Wildparkstadion Ende 2019 war für viele KSC-Fans emotional. Schließlich galt dieser Teil der Spielstätte als der „Tempel des Wahnsinns“ und viele Erinnerungen waren damit verbunden. Wenige Wochen vor der dritten Phase der Vorarbeiten konnten sich Fußballbegeisterte gegen eine Spende von fünf Euro aber bis zu vier Sitze „ihrer“ Gegengerade abmontieren.

Neubau des Stadions in Karlsruhe

Der erste Spatenstich für das neue KSC-Stadion in Karlsruhe fand am 9. Dezember 2019 statt. Trotz Streitigkeiten zwischen Stadt und KSC nahmen Oberbürgermeister Frank Mentrup und Club-Präsident Ingo Wellenreuther an dem symbolischen Akt teil.

Die Bauarbeiten für das neue Stadion im Wildpark starteten im Beisein von KSC-Präsident Ingo Wellenreuther (5.v.l.) und Oberbürgermeister Frank Mentrup (6.v.l.) im Dezember 2019. Foto: Tanja Starck

Osttribüne

Zunächst ging es an den Bau der Tribüne im Osten – der einstigen Gegengerade – im neuen KSC-Stadion. Die Osttribüne hätte bis September 2020 betriebsbereit sein sollen. Allerdings gab es nach Angaben der Baufirma ein Problem beim Dachbau. Manche Bauteile aus Stahl entsprachen demnach nicht der Norm. Das Problem verzögerte die Fertigstellung der Osttribüne.

Mitte Dezember war dann der Abschluss, Ende Januar 2021 startete der Probebetrieb. Im April wurde die Osttribüne dann per Pachtvertrag an den KSC übergeben. Die meisten Sitze sind blau, einige weiß. Diese bilden den Schriftzug „Karlsruher SC“. In der nordöstlichen Kurve werden künftig die Fans der Gastmannschaft ihren Platz finden, knapp 2.700 Plätze gibt es hier. Im Bereich der Osttribüne können sich Fans künftig an sechs Verkaufsstellen mit Essen und Trinken versorgen.

Im April 2021 fand nach einem Probebetrieb die pachtrechtliche Übergabe der fertigen Osttribüne an den Karlsruher SC statt. Foto: Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark

Südtribüne

Dass die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Mai 2020 die Genehmigung erteilte, die Mindestanzahl von 15.000 Zuschauern im Wildparkstadion zu unterschreiten, hatte positive Auswirkungen auf die Bauarbeiten. Die provisorische Südtribüne konnte früher abgebaut werden als geplant, nämlich bereits im Juni 2020.

Das ermöglichte folglich einen unterbrechungsfreien Übergang der Bauarbeiten von der früheren Gegengerade auf die neue Südtribüne. Der Fertigstellungstermin der Südtribüne wurde immer wieder geändert, im Juli 2021 war es dann so weit. Am 16. Juli wurde die Tribüne vor dem ersten Heimspiel der Saison 2021/22 an den KSC übergeben. Die Südtribüne bietet den Ultras 10.000 Stehplätze. Sie wird die neue „Gegengerade“, der Name zieht mit dem Fanblock des KSC um.

Haupttribüne

Ab November 2020 waren Entkernung und Abriss der Haupttribüne an der Reihe. Zunächst wurde das Dach entfernt, im Anschluss das Kerngebäude. Die Haupttribüne, ein Gebäude aus später vier Stockwerken, wird das Herzstück des Stadion-Neubaus. Der Umbau ab Frühjahr 2021 soll als letzter Teil der Bauarbeiten 2022 (ein genauer Termin steht noch nicht fest) abgeschlossen sein.

Die Abbrucharbeiten waren erst ab Mitte November 2020 möglich aufgrund von nistenden Fledermäusen im Gebäude. Von Februar bis Mitte April fiel dann die obere Stahlkonstruktion der alten Haupttribüne im KSC-Stadion. Um zu verhindern, dass dann erneut Fledermäuse einziehen, wurden nachts Strahler eingesetzt. Im Januar holten sich 1.500 Fans „ihre“ KSC-Sitzschalen der Haupttribüne gegen eine Gebühr von knapp 19 Euro ab.

Nordtribüne

Mit der Übergabe der Südtribüne an den KSC im Juli 2021 zogen zum Saisonstart 2021/22 auch die Fans von der provisorischen Nordtribüne auf die gegenüberliegende Seite im Süden. Damit beginnt der Baustart der neuen Nordtribüne im Wildparkstadion mit rund 5.000 Sitzplätzen. Zunächst fällt das Provisorium ab September 2021, im Anschluss soll der Umbau bis 2022 andauern – parallel zum Bau der Haupttribüne.

Infrastruktur: Adenauerring, Parkplätze und Zufahrten

Das neue Fußballstadion erhält eine neue Anbindung an den Adenauerring, die Erschließung des Stadiongeländes wird neu strukturiert. Der Adenauerring wird deswegen auf dem Abschnitt vorm Wildparkstadion umgebaut und die Fahrbahn erneuert. Im Juni 2021 starteten diese Bauarbeiten, Abschluss ist nicht vor Jahresende.

Auf der anderen Seite wird der Birkenparkplatz umgebaut. Mitunter hier fielen dafür etliche Bäume. Aus Ausgleich wurden unter anderem in Neureut neue Bäume gepflanzt, KSC-Verantwortliche beteiligten sich an der Aktion. 700 Parkplätze für Autos und 1.200 Fahrradabstellplätze entstehen.

Fans der auswärtigen Mannschaften und des KSC sollen sich schon auf der Straße nicht begegnen. Vom Parkplatz der Gäste können diese künftig über eine Brücke direkt in ihren Block im KSC-Stadion gelangen.

Auch rund um das neue KSC-Stadion wird gebaut: Adenauerring und Birkenparkplatz werden neu strukturiert. Foto: Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark

Stadion-Neubau: Streitigkeiten zwischen Stadt und KSC

Der Neubau des Wildparkstadions war jahrelang von Diskussionen und Zerwürfnissen zwischen dem KSC und der Stadt Karlsruhe geprägt. Unter Oberbürgermeister Frank Mentrup nahm das Projekt endlich Formen an, es folgten aber juristische Auseinandersetzungen.

Die ersten Vertragsverhandlungen hatten ihren Abschluss im Jahr 2016. Bei neuen Verhandlungen Ende 2018 machte die Stadt Karlsruhe stets klar, dass sie die Richtung der Bauarbeiten bestimme und die Verhandlungen mit dem Baukonzern führe.

Auch als der Umbau bereits in vollem Gange war, kam es immer wieder zu Streitigkeiten. Im August 2019 reichte der Karlsruher SC als Pächter vier einstweilige Verfügungen gegen die Stadt beim Landgericht Karlsruhe ein. Der KSC verlangte, Einblick in den Vertrag zwischen dem Bauunternehmen BAM und der Stadt zu erhalten.

Auch die Infrastruktur rund um das neue KSC-Stadion BBBank Wildpark wird neu strukturiert. Foto: Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark

Im Kern ging es darum, dass der Verein Sonderleistungen beim Stadionneubau übernehmen sollte, gleichzeitig aber monierte, die vertraglichen Regelungen nicht zu kennen. Der KSC warf der Stadt in der Folge Vertragsbruch vor und sah sich mit gravierenden Nachteilen – insbesondere im Hinblick auf den Ausbau des Hauptgebäudes des Stadions – konfrontiert.

Das Landgericht verpflichtete die Stadt schließlich dazu, dem KSC den Vertrag mit dem Totalunternehmer auszuhändigen. Hinsichtlich der einstweiligen Verfügungen in Sachen Baustopp und eines geplanten Businessaals blieb der KSC aber erfolglos.

Die juristische Klärung ging trotzdem bis vors Oberlandesgericht. Die Stadt Karlsruhe zog ihre Berufungsklage gegen die Entscheidung des Landgerichts dann aber zurück, da der Vorsitzende Richter deutlich gemacht hatte, er werde wohl gegen die Klage entscheiden.

Die Geschichte des Wildparkstadions in Karlsruhe

Die Fußball-Geschichte am Standort des heutigen Stadions reicht zurück bis ins Jahr 1923. Damals wurde dort eine Anlage mit unter anderem drei Fußballplätzen angelegt. Die Stadt Karlsruhe hatte dem FC Phönix das Gelände im Hardtwald verpachtet. Der FC Phönix fusionierte knapp 30 Jahre später mit dem VfB Mühlburg zum KSC.

Das Wildparkstadion in Karlsruhe wurde ursprünglich im Jahr 1955 erbaut. Oberbürgermeister Günther Klotz übergab das Stadion am 7. August an den KSC. Das Eröffnungsspiel gegen Rot-Weiß Essen mit 45.000 Zuschauern endete für den KSC mit einem Unentschieden.

Prächtig liegt es da, das hochmoderne Wildparkstadion, als am 7. August 1955 etwa 45.000 Zuschauer zur Einweihung den KSC gegen Rot-Weiß Essen spielen sehen wollen. Foto: Schlesinger/Stadtarchiv Karlsruhe

Sechs Länderspiele fanden im Wildparkstadion in Karlsruhe statt – in allen triumphierte am Ende die deutsche Mannschaft. Das DFB-Pokal-Endspiel 1956 sowie das Supercup-Finale des DFB 1990 waren weitere besondere Spiele im Stadion. Zudem fand in der KSC-Spielstätte im Jahr 1978 das Weltpokal-Finale statt, bei dem Borussia Mönchengladbach auf die Boca Juniors aus Argentinien traf – und 0:3 verlor.

Auch zahlreiche Weltstars waren einst bei Open-Air-Konzerten im Wildparkstadion zu erleben, darunter AC/DC, Tina Turner, Ozzy Osbourne, Bryan Adams und Herbert Grönemeyer.

Mit den Jahren wurde das Wildparkstadion erweitert oder verbessert, darunter die Flutlichtanlage. Dabei erhöhte man außerdem die Zahl der Plätze in der Gegengeraden deutlich und baute eine neue Anzeigetafel ein. Die größte Neuerung war allerdings der Bau einer neuen Haupttribüne für 45 Millionen D-Mark, der 1991 mit dem Abriss der alten startete.

Ein Highlight im Wildpark war das Spiel des Karlsruher SC gegen den FC Valencia am 2. November 1993. Mit einem 7:0 wurden die Gäste aus dem Uefa-Pokal gefegt. Das „Wunder vom Wildpark“ war geboren. Als die Haupttribüne 2021 im Rahmen des Stadionneubaus fiel, titelte die spanische Marca dazu: „Auf Wiedersehen, Stadion des Schreckens.“ Das letzte KSC-Spiel mit der alten Haupttribüne fand am 8. Januar 2021 gegen Greuther Fürth (3:2) statt.

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