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Virtuelle Vertragsgespräche

Wie planen Fußball-Clubs im Landkreis Karlsruhe in Corona-Zeiten für die Saison?

Persönliche Treffen und Gespräche fallen weg. Der Stammtisch findet maximal noch im Netz statt. Wie gehen die Fußball-Clubs damit um, wenn es darum geht, Spieler anzuwerben oder vom Verbleib zu überzeugen?

Kontakt am Küchentisch: Auf Distanz müssen Spieler und Trainer aktuell überzeugt werden, bei ihrem Club weiterzumachen, oder den Verein zu wechseln. Foto: Vanessa Kolb

Von Vertragsverlängerungen und Abwerbeversuchen im Amateurfußball gibt es die schönsten Anekdoten. Von im Vollrausch unterschriebenen Bierdeckeln, auf denen aus natürlich ganz freien Stücken die Wechselabsicht erklärt wird.

Oder vom Routinier, der beim sechsten Halben Export am Stammtisch beim gefühlt hundertsten Versuch doch noch davon überzeugt werden konnte, eine wirklich allerletzte Saison dranzuhängen.

All diese Möglichkeiten der An- und Abwerbung sowie Überzeugungsarbeit fallen im Lockdown weg – zumindest was den Kontakt von Angesicht zu Angesicht angeht. Wie gehen die Vereine damit um? Ist es für sie ein Problem, dass direkte Gespräche nicht möglich sind?

Bestehende Kontakte spielen eine wichtigere Rolle

„Ich schaue den Spielern schon gerne in die Augen“, sagt Willi Bürkle, der Vorsitzende des Kreisligisten SV Menzingen. Zur Not tut es in diesem Fall aber auch mal das Telefon. Dasselbe sei das natürlich nicht, zu größeren Schwierigkeiten habe das aber nun auch nicht geführt, was die Planungen für die kommende Saison angeht.

Bürkle und sein Vorstandskollege Andreas Seiter sind sich auch über eine gewisse Distanz mit allen Spielern einig geworden. Auch um den neuen Trainer Kai Ledermann zu überzeugen, habe es nur einen Anruf gebraucht, immerhin spielte der bisherige Eichelberger lange Zeit selbst für die Blau-Weißen.

Wir suchen deshalb niemanden Neuen.
Willi Bürkle, Vorsitzender SV Menzingen

Genau das ist aktuell ein nicht ganz unwichtiger Punkt. Um potenzielle Neuzugänge zu überzeugen, braucht es bereits bestehende Kontakte. Spielerbeobachtungen, wie sie ansonsten üblich sind, funktionieren momentan logischerweise nicht. „Wir suchen deshalb niemanden Neuen“, sagt Bürkle. Wenn jemand nach Menzingen wechseln möchte, müsste er schon von sich aus auf die Verantwortlichen zukommen.

Überzeugungsarbeit bei Telefonaten oder Videokonferenzen

Genauso sieht es auch beim FC Untergrombach aus der Kreisklasse A aus, wie Spielausschuss Reiner Becker berichtet. Er merkt an: „Für Spieler ist es natürlich gerade schwer sich zu empfehlen, vor allem für jemanden, der zu einem höherklassigen Verein wechseln möchte.“

Auch beim FCU habe man die Spieler einzeln abgefragt, ob sie über den Sommer hinaus weitermachen – per Telefonat oder WhatsApp-Anruf. Auch Videokonferenz-Tools wie Zoom oder MS Teams, die ohnehin für Online-Trainingseinheiten und Vorstandssitzungen genutzt werden, spielen mancherorts eine Rolle.

„Viele benutzen es ja sowieso bei der Arbeit. So ist das aus technischer Sicht überhaupt kein Problem“, sagt Wolfgang Hermann, Leiter Spielbetrieb beim VfB Bretten.

VfB Bretten hat die Mannschaft zusammengehalten

So sei sich auch der Landesligist schnell mit den Trainern der ersten und zweiten Mannschaft, Adrian Schreiber und Dominic Prüfer, einig geworden. „Primär ging es uns darum, die Mannschaft zusammenzuhalten, weil wir mit der Entwicklung sehr zufrieden waren. Das ist uns sehr gut gelungen“, berichtet Hermann.

Falls doch noch der ein oder andere Neuzugang dazukommen sollte, wird eben versucht, den Face-to-Face-Kontakt im Freien herzustellen – coronakonform mit nur zwei Personen.

Diese Form des Kennenlernens will auch der neue Menzinger Coach Ledermann nutzen, um sich ein Bild von seiner neuen Mannschaft zu verschaffen. Denn die Zeit vom Trainingsbeginn bis zur Wiederaufnahme der Runde dürfte kurz sein, falls es im Frühjahr überhaupt nochmal losgeht.

Ungewissheit bei Vereinen und Spielern

Insgesamt haben viele Verantwortliche den Eindruck, dass die Planungen für die kommende Saison früher beendet sind als zu normalen Zeiten. Die Ungewissheit, wie es weitergeht, spielt hierbei sicher eine gewisse Rolle. Nicht nur bei den Vereinen, sondern auch bei den Spielern.

Ich rechne im Sommer mit weniger Wechseln als üblich.
Willi Bürkle, Vorsitzender SV Menzingen

„Ich rechne im Sommer mit weniger Wechseln als üblich“, sagt Bürkle vom SV Menzingen. Für den Untergrombacher Becker kann das bei manchen Vereinen auch eine Geldfrage sein. Feste sind abgesagt, es fehlen andere Einnahmen aus Sponsoring und Verkäufen am Spieltag. Die selbst im Amateurfußball nicht unüblichen Handgelder sind da möglicherweise nicht mehr überall zu finanzieren.

Und so dürfte bei Clubs und Spielern in diesen schwierigen Zeiten die Bereitschaft steigen, erst einmal mit dem zufrieden zu sein, was man hat.

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