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Tiere verzögern Bauarbeiten

Diese Bauprojekte im Landkreis Karlsruhe stocken wegen des Artenschutzes

Zauneidechsen, Haubenlerchen und Fledermäuse kommen Bauherren im Landkreis Karlsruhe in die Quere. Wir erklären, welche Bauvorhaben davon betroffen sind.

Hängepartie an der Ländergrenze: Der Artenschutz verzögert den Bau der zweiten Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Maximiliansau. Foto: Uli Deck/dpa/Archivbild

Der Juchtenkäfer bremste das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 aus. 2005 hatte auch der Frankfurter Airport tierische Probleme: Um eine neue Flughafenhalle zu realisieren, mussten zunächst 50 Baumstämme ausgegraben und mitsamt Hirschkäfer-Brut versetzt werden.

Zwei Jahre später sorgte die streng geschützte Fledermaus-Art Hufeisennase für einen dreimonatigen Baustopp an der Dresdner Waldschlößchenbrücke.

Auch in der Region hält der Artenschutz Bauherren in Atem. Ein Überblick.

Karlsruhe

Der Bau der zweiten Rheinbrücke zwischen Baden und der Pfalz verschiebt sich in das kommende Jahrzehnt. Ein Grund sind die aufwendigen Ausgleichsmaßnahmen für geschützte Arten. Vom Bauprojekt betroffen sind unter anderem der Gelbspötter (Singvogel), die Grüne Strandschrecke (Heuschrecke) und der Bläuling (Tagfalter).

Nach Angaben des Landes wird allein die Schaffung von Ersatzlebensräumen bis 2025 dauern – und dann müssen sie noch zwei Jahre ihre Wirksamkeit beweisen.

Ettlingen

Auf dem ehemaligen Festplatz entstehen rund 70 Mietwohnungen und eine Kita, darunter wird eine Tiefgarage gebaut. Die Wohnungsbau GmbH Stadtbau investiert 22 Millionen Euro in das Projekt, das in diesem Sommer abgeschlossen sein soll. Nach mehreren Hinweisen aus der Bevölkerung, wonach auf dem Areal Eidechsen beheimatet seien, fanden zunächst weitere Untersuchungen statt.

Der Generationenpark am ehemaligen Festplatz in Ettlingen. Diese Drohnenaufnahme zeigt das Areal im November. Dort entstehen rund 70 Wohnungen und eine Kita. Foto: Stadtbau Ettlingen

Der Baustart verzögerte sich dadurch um ein halbes Jahr. Die Kosten für Ausgleichsmaßnahmen belaufen sich nach städtischen Angaben auf mehr als 100.000 Euro. Die Stadt ließ eine gefundene Eidechse genetisch untersuchen. Ergebnis: Es handelte sich um eine spanische Art. Unklar ist, ob das Tier gezüchtet und auf der Baustelle ausgesetzt wurde, um das Projekt zu verhindern.

Rheinstetten

Die Bauarbeiten für das Hotel an der Neuen Messe im Stadtteil Forchheim sollten ursprünglich bereits 2019 beginnen. Daraus wurde nichts: Auf dem Gelände brütende Haubenlerchen sorgten für eine Verzögerung von rund einem Jahr. 2020 wurde der Baustart abermals verschoben, diesmal war Corona schuld. Seit Anfang März laufen die Arbeiten nun tatsächlich. Das Hotel soll im Sommer 2022 in Betrieb gehen.

Hotel gegen Haubenlerche: Brütende Vögel sorgten für eine einjährige Verzögerung beim Bau des Messehotels in Rheinstetten-Forchheim. Die Eröffnung ist für Sommer 2022 geplant. Foto: Skizze: Place Value

Graben-Neudorf

Im Spargeldorf hat man große Pläne: Im Ortskern soll ein Quartier mit Betreutem Wohnen, Ladengeschäften, Praxen und einer Tagespflege entstehen. Zuvor musste die Gemeinde allerdings rund 21.300 Euro investieren, um acht Mauereidechsen umzusiedeln. „Ich habe die Spielregeln nicht gemacht“, sagte Christian Schweikert von der gemeindeeigenen Stabstelle für besondere Bauaufgaben vor dem Gemeinderat.

n der „Neuen Mitte“ in Graben-Neudorf soll ein modernes Wohnquartier entstehen. Bevor gebaut wird, müssen die Mauereidechsen umgesetzt werden. Foto: Wolles Drone Art

Seine Botschaft: Ohne Umsiedlung kein Bebauungsplan. In ihrem neuen Lebensraum wurden für die Echsen Steinhaufen aufgeschüttet und ein Reptilienschutzzaun installiert. Für jedes Tier sind 80 Quadratmeter Fläche vorgesehen.

Waghäusel

Und wieder Eidechsen: Auf dem Gelände neben dem Kloster in Waghäusel will eine Stiftung Wohnungen für Bedürftige und einen Treff realisieren. Allerdings wurden vor Beginn der Bauarbeiten trotz vorheriger Untersuchung Zauneidechsen auf dem Areal entdeckt. Durch die Schaffung eines Ersatz-Lebensraumes und die Umsiedlung der Tiere verzögerte sich der Baubeginn um ein Jahr.

Linkenheim-Hochstetten

Seit einem Jahr lähmt das Vorkommen der streng geschützten Haubenlerche die Verwirklichung des Großprojekts Carré am Markt in Linkenheim-Hochstetten. Bereits 2014 erfasste ein Ornithologe in der Nachbarschafts des Carrés zwei Brutpaare auf den Flachdächern von AWO und Feuerwehr. Der Fachmann wertete die geplante Ausgestaltung der Bauten mit vielen Flachdächern als günstig für die Vögel. Dem aber widersprach die Naturschutzbehörde. Ein geschaffenes Ersatz-Habitat nehmen die Tiere nicht an.

Oberderdingen

Das Bebauungsplanverfahren für den neuen Seniorenwohnpark hat sich wegen eines Fledermaus-Vorkommens um ein Jahr verzögert. Als Ausgleichsmaßnahme musste ein Fledermaushaus gebaut werden. Kostenpunkt laut Gemeinde: 150.000 Euro.

Für den zweiten Bauabschnitt musste die alte Braxmeier-Halle, in der die Tiere lebten, abgerissen werden. Dies wurde erst genehmigt, nachdem die Fledermäuse in ihr neues Quartier umgezogen waren.

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