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Rückblick

Daimler-Konzern: Wie der Karlsruher Carl Benz aus dem Firmennamen verschwand – und nun zurückkehrt

Daimler-Benz AG – diesen badisch-schwäbischen Doppelnamen trug der Autohersteller jahrzehntelang. Doch dann funkten die Amerikaner dazwischen. In Baden stieß das auf Empörung.

Hochzeiten führen häufig zu Namenswechseln: 1998 stand auf den Konzernschildern DaimlerChrysler statt Daimler-Benz AG. Foto: Norbert Försterling/dpa

Zu ihren Lebzeiten waren die beiden Automobilpioniere Carl Benz und Gottlieb Daimler Konkurrenten. Der im damals noch eigenständigen Mühlburg (heute ein Stadtteil von Karlsruhe) geborene Ingenieur Benz stritt sich mit seinem aus dem schwäbischen Schorndorf stammenden Berufskollegen um Patentverletzungen.

Erst nach dem Tod Daimlers schlossen sich die Unternehmen Benz & Cie. und Daimler-Motoren-Gesellschaft 1926 zur Daimler-Benz AG zusammen. Carl Benz hatte sich schon Jahre zuvor aus dem von ihm gegründeten Automobilunternehmen zurückgezogen und starb 1929 in Ladenburg.

Die Nachnamen beider Unternehmensgründer trug die Daimler-Benz AG jahrzehntelang. Ihre Autos verkaufte sie unter der Marke Mercedes-Benz. Auch dieser Markenname ist Ergebnis der badisch-schwäbischen Fusion.

Bereits 1902 ließ sich die Daimler-Motoren-Gesellschaft die Marke „Mercédès“ gesetzlich schützen. Es war das Pseudonym, unter dem der Daimler-Händler Emil Jellinek bei Automobilrennen antrat. Die Marke etablierte sich schnell, 1926 wurde sie um den Nachnamen Benz erweitert.

Das Unternehmen nannte sich mehrmals um

Der Markenname Mercedes-Benz blieb seitdem unangetastet. Doch das Unternehmen selbst nannte sich mehrmals um. Los ging es mit der „Hochzeit im Himmel“, wie der damalige Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp die Fusion mit dem US-Autohersteller Chrysler nannte. Ab 1998 hieß der deutsch-amerikanische Konzern DaimlerChrysler AG. Der Name Benz war aus der Firmenbezeichnung verschwunden.

Das stieß in Baden auf Empörung. Der damals wahlkämpfende, spätere Oberbürgermeister von Karlsruhe, Heinz Fenrich (CDU), beklagte ein „Stück Traditionsverlust“. Dass sich ausgerechnet der „Sohn der Stadt“, Carl Benz, künftig nicht mehr im Namen des Weltunternehmens wiederfinde, gefalle ihm nicht, sagte Fenrich. Ändern konnte er freilich nichts daran.

Jürgen Schrempp war zur Fusionszeit mit Chrylsler Vorstandsvorsitzender bei Daimler. (Archiv) Foto: Uli_Deck picture-alliance / dpa

Auch 2007, als die Traumhochzeit mit Chrysler in einer Scheidung endete, blieben die badischen Wurzeln im Unternehmensnamen unsichtbar. Statt zur alten Bezeichnung Daimler-Benz AG zurückzukehren, entschied man sich für die rein schwäbische Variante Daimler AG.

Begründet wurde das mit einer klareren „Unterscheidung zwischen der Unternehmensmarke Daimler sowie den verschiedenen Produktmarken des Konzerns“.

Der Mutterkonzern sollte zwar fortan nur als Daimler auftreten. Produktionswerke, in denen hauptsächlich Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz vom Band laufen, sollten hingegen auch dies im Namen deutlich machen.

Die Daimler-Fabriken Gaggenau, Rastatt und Wörth heißen seitdem offiziell Mercedes-Benz Werke. Auch die entsprechenden Vertriebsgesellschaften wurden umgetauft.

Neue Tochtergesellschaften

2019 gab sich der Autokonzern ein neue Struktur. Die unterschiedlichen Sparten wurden auf einzelne Tochtergesellschaften aufgeteilt: die Mercedes-Benz AG, die Daimler Truck AG und die Daimler Mobility AG. Als Dachgesellschaft blieb die börsennotierte Daimler AG aber bestehen.

Damit soll nun Schluss gemacht werden. Die Daimler AG wird es nach den diese Woche bekannt gemachten Plänen unter diesem Namen künftig nicht mehr geben.

Und das bedeutet, dass der Name des schwäbischen Firmengründers Daimler nur noch im Nutzfahrzeug-Geschäft zu hören sein wird. Denn für das Pkw-Geschäft ist ausschließlich die Mercedes-Benz AG zuständig.

Löst der Verzicht auf den Namen Daimler in Schwaben nun einen genauso großen Unmut aus wie 1998 der Benz-Verlust in Baden? „Bisher nicht“, sagt Jürgen Bock von der „Stuttgarter Nachrichten“. Er habe mit einigen Daimler-Mitarbeitern und Regionalpolitikern gesprochen. „Aber ich habe den Eindruck, die lässt das kalt. Die machen sich eher Sorgen um Arbeitsplätze als um den Firmennamen.“

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