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Nicht nur durch sportliche Erfolge beliebt

Tischtennis-Bundesligist ASV Grünwettersbach und der gewinnbringende Wohlfühlfaktor

Der kleine ASV Grünwettersbach hat es im Tischtennis zu großen Erfolgen gebracht. Nach dem Pokalsieg 2020 erreichte der Bundesligist trotz schmalen Etats erstmals die Play-offs der besten vier deutschen Teams.

Routine am Tisch: Der 37 Jahre alte Wang Xi (links) vom ASV Grünwettersbach musste sich im Play-off-Hinspiel dem 40 Jahre alten Superstar Timo Boll von Borussia Düsseldorf geschlagen geben. Foto: GES/Helge Prang

Im Foyer seines schmucken Tischtenniszentrums hat der ASV Grünwettersbach eine Galerie der alten und neuen Meister eingerichtet. Die Wand zieren Popart-Porträts von Jan Zibrat, Alvaro Robles, Dang Qiu und vielen anderen Profis.

Auch Masataka Morizono ist abgebildet, jener quirlige Japaner, der es in den zwei Jahren von 2016 bis 2018 als Spieler des Bundesligisten zum Publikumsliebling und zweimal zum besten Profi der TTBL gebracht hat.

Der Kontakt zu dem 26-Jährigen ist auch nach dessen Rückkehr in seine Heimat nie abgebrochen. „Er würde gerne wieder ein bisschen bei uns spielen, das ist kein Geheimnis. Er verlangt keine Unsummen und würde auf viel verzichten, dennoch können wir ihn nicht bezahlen. Da müsste schon ein Wunder passieren“, sagt Manager Martin Werner vom erstmaligen Play-off-Teilnehmer und Pokalsieger 2020.

Morizono würde gerne wieder für den ASV Grünwettersbach spielen

Mit seinem Etat von unter einer Viertelmillion Euro ist der Tabellenvierte im hinteren Drittel der Liga angesiedelt. Zum Vergleich: Der TTC Fulda-Maberzell, der die Saison auf Rang zehn abschloss, kalkuliert mit fast der doppelten Summe.

Weil sich beim ASV viele Menschen ehrenamtlich engagieren wie Werner oder zu kleinem Geld wie der scheidende Trainer Joachim Sekinger und auch wie dessen Nachfolger Achim Krämer, kommen die Grünwettersbacher mit einem vergleichsweise schmalen Budget zurecht. Es sei dennoch in jedem Jahr „ein Kampf“, den Etat abzudecken, zumal gerade durch die wegen Corona ausgeschlossenen Zuschauer ein hoher fünfstelliger Betrag fehle.

Familiäre Atmosphäre beim ASV Grünwettersbach beliebt

Der Fall Morizono stehe beispielhaft dafür, warum es der kleine ASV aus dem Karlsruher Bergdorf trotz begrenzter finanzieller Möglichkeiten zu einer ersten Adresse des deutschen Tischtennis gebracht hat, meint Werner. „Ausschlaggebend für unseren Erfolg ist der Mannschaftsgeist, der sich auch durch die familiäre Atmosphäre entwickelt.

Dieser Wohlfühlfaktor spricht sich bei den Spielern herum“, betont Werner. Aber wenn das Angebot eines potenten Konkurrenten wie Borussia Düsseldorf eben deutlich höher ist als jenes des ASV wie bei Dang Qiu, der zusammen mit Morizono 2016 zum ASV kam, dann wiegen die weichen Faktoren die harten Euro doch nicht auf.

Dass der deutsche Nationalspieler an diesem Samstag (19 Uhr) im Play-off-Rückspiel des ASV gegen seinen künftigen Arbeitgeber noch einmal alles geben wird, steht außer Frage. Schon bei der 0:3-Hinspielniederlage hatte sich Dang Qiu in seinem Einzel erst nach großem Kampf mit 2:3 geschlagen geben müssen. Genauso professionell geht auf der Gegenseite Ricardo Walther in die Partie, der im Sommer nach Grünwettersbach zurückkehren wird.

Für vier Jahre unterschrieb der ebenfalls emotional dem ASV verbundene deutsche Nationalspieler, der zusammen mit dem 37 Jahre alten Wang Xi und den Jungprofis Deni Kozul und Tobias Rasmussen in den beiden kommenden Spielzeiten das Team bilden wird. Zudem könnte es auch mit Einsätzen von Min Ha Hwang klappen, der wegen Corona in dieser Runde in Korea bleiben musste.

ASV mit Tischtenniszentrum zukunftsorientiert aufgestellt

„Ich bin guter Dinge“, blickt Werner zuversichtlich in die nähere Zukunft, in der Wang Xi eine zentrale Rolle einnehmen wird. Zusammen mit seiner Frau Tan Jing ist er als Trainer im 2015 eröffneten Tischtenniszentrum KITT eingebunden. Werner: „Wir fahren zweigleisig: Da ist zum einen die TTBL als das Aushängeschild, zum anderen das Trainingszentrum, mit dem wir uns zukunftsträchtig aufgestellt haben. Armin Freiburger hat das alles ins Rollen gebracht.“

Freiburger leitet seit 45 Jahren die Abteilung Tischtennis des Gesamtvereins, der rund 850 Mitglieder zählt. Mit Freiburgers Namen ist der Aufstieg von der untersten Kreisklasse ins Oberhaus untrennbar verbunden. „Ich war viele Jahre der Einzelkämpfer. Als ich eingestiegen bin als Funktionär, war die Verbandsliga unser erstrebenswertes Ziel.

Aber dann bekam das alles eine Eigendynamik“, sagt die graue Eminenz und erzählt von den Anfängen in den sechziger Jahren. Damals hätten die Fußballer stets gestichelt: „Ihr verbrennt nur unseren Strom.“ Diese Kritiker sind aber inzwischen verstummt, zumal der ASV Fußball nur noch für Frauen anbietet.

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