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Entscheidungen bleiben bestehen

Keine Stempelkarten und Vierertickets mehr: KVV-Chef entschuldigt sich für unzureichende Kommunikation

Nach der Abschaffung der Vierertickets und Stempelkarten hagelte es Kritik für den KVV. Nun haben sich Geschäftsführer Alexander Pischon sowie der Aufsichtsratsvorsitzende und Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) offiziell zu den Vorwürfen geäußert.

Keine Karten auf Vorrat mehr: Seit dem großen Fahrplanwechsel am 12. Dezember gibt es beim KVV nur noch Tickets zum sofortigen Fahrtantritt. Auch die Fahrkartenautomaten in vielen Bahnen sollen abgebaut werden. Foto: Andrea Fabry

Für einige KVV-Kunden waren es dicke Kröten, die sie im Laufe des vergangenen halben Jahres schlucken mussten: Der Aufsichtsrat des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) hatte Reformen beim Fahrschein-Vertrieb beschlossen, durch die sich besonders ältere Menschen im öffentlichen Nahverkehr aufs Abstellgleis versetzt fühlten.

Die Änderungen beim Vertrieb beinhalteten unter anderem die Umstellung auf bereits entwertete Fahrkarten zum sofortigen Fahrtantritt, die Abschaffung der Viererkarte sowie die Einführung der digitalen Tarifprodukte „Luftlinie“ und „Homezone“.

In einer digitalen Pressekonferenz haben nun der KVV-Aufsichtsratsvorsitzende und Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) sowie KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon die Hintergründe der bereits 2019 angestoßenen Aufsichtsrats-Entscheidung dargelegt.

Sie gingen dabei auch auf verschiedene Kritikpunkte ein, die hierzu in den vergangenen Wochen von Bürgern, Fahrgastgruppen und Politikern geäußert wurden.

KVV will Lichtverhältnisse an Automaten prüfen

„Es tut mir leid, dass die Kommunikation an einigen Stellen nicht ausreichend verlaufen ist“, sagte Pischon. „Das hätten wir besser machen können.“

Ziel des KVV sei nicht, Kundengruppen abzuschrecken. Reklamationen würden ernst genommen werden. So werde beispielsweise geprüft, welche Haltestellen beidseitig mit Fahrkartenautomaten ausgestattet werden könnten, und wo die Lichtverhältnisse den Kartenkauf erschwerten. Zudem sollen Schulungen für die Online-Tarife angeboten werden.

Der KVV wird das Rad aber nicht zurückdrehen – trotz der anhaltenden Kritik. Das machten Pischon und Mentrup deutlich. Der Anteil der Viererkarte habe beispielsweise 2019 vor der Pandemie in Relation auf alle Fahrten im Verbundgebiet gerade einmal noch 1,4 Prozent ausgemacht. Ein verschwindend geringer Anteil, die Zukunft liege im Digitalen.

Es wird nichts zurückgedreht werden können.
Frank Mentrup, KVV-Aufsichtsratsvorsitzender

„Es wird nichts zurückgedreht werden können und wir sollten auch nichts zurückdrehen“, sagte Mentrup. Denn langfristiges Ziel sei es, nicht nur landesweit, sondern auch bundesweit den Ticketkauf einheitlich über die Regiomove-App zu ermöglichen. Mit Mannheim, Stuttgart und Offenburg sei der KVV, so Pischon, dafür schon im Gespräch.

Und die zeitgemäßen Angebote seien nachgefragt. „Allein im Dezember hat der KVV bei der Regiomove-App rund 38.000 neue Nutzer begrüßen können“, sagte Mentrup, „beim Luftlinientarif wurden über 7.100 neue Kunden verzeichnet“.

Sowohl Luftlinientarif als auch Homezone könnten so günstig angeboten werden, weil sie eben online gebucht werden. Auf analogem Vertriebsweg wären die Preise nicht zu halten.

„Kunden, die das Smartphone nicht nutzen, sind tatsächlich benachteiligt“, gab Pischon zu. Doch für diese bliebe der herkömmliche Ticketkauf erhalten, der ebenfalls Angebote wie die Karte ab 65 Jahren biete.

Mentrup wies darauf hin, dass sich der Kauf eines Tagestickets nach der Tarifumstellung schon bei zwei Fahrten lohne und zudem vordatiert werden könne. „Das Viererticket wird so sehr sinnvoll ersetzt“, sagte er.

Mentrup ging auch auf Vorschläge ein, die jüngst an den KVV herangetragen wurden. So wurde von Kritikern als Ersatz für die Stempelkarte eine Guthaben-Karte ins Spiel gebracht, von der ein Lesegerät in den Bahnen den Wert eines Tickets abziehen könne.

Technisch möglich, aber veraltet: „Da ersetzt ein moderner Entwerter nur den alten“, meinte Mentrup. „Da sind wir schon einen Schritt weiter.“ All diese Vorschläge führten nicht zum klar gesetzten Ziel: ein einheitliches Vertriebssystem.

Mentrup zieht positive Bilanz für Stadtbahntunnel in Karlsruhe

Knapp fünf Wochen nach der Eröffnung des Stadtbahntunnels zog Mentrup als Karlsruher Oberbürgermeister auch eine positive Zwischenbilanz: „Der Tunnelbetrieb ist sehr gut angelaufen und hat unsere Erwartungen bislang mehr als erfüllt.“

Die Betriebsstabilität bei den Tram- und Stadtbahnen habe sich deutlich verbessert. Das spiegele sich in der Pünktlichkeit wider. Auch von den Fahrgästen werde der Tunnel gut angenommen. Das zeigten nicht nur die Fahrgastzahlen, sondern auch die positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

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