Der U-Boot-Look des Topsys hat sich seit den 50ern kaum verändert. Das Topsy wurde von dem Bildhauer und Innenarchitekt Prof. David Lauer aus einer Wäscherei umgebaut und war in seiner Anfangszeit ein Treffpunkt für viele Künstler.
Warum will niemand darüber reden, was er im "Topsy Turvy" so erlebt? Es gibt eine Theorie. | Foto: cf

#dasauchnoch

Warum niemand über Dinge spricht, die im Topsy Turvy passieren

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Das „Topsy Turvy“ in der Karlsruher Hirschstraße feiert 2019 seinen 50. Geburtstag. In einem halben Jahrhundert kann viel passieren. Und Dinge, die im „Topsy“ passieren, sind häufig noch ein bisschen verrückter, schräger oder lustiger, als die, die außerhalb des „U-Boots“ vor sich gehen. Wer den Geheimnissen aus dem Topsy auf den Grund gehen will, kann allerdings eine Überraschung erleben. Manche Dinge sollen wohl einfach nicht ans Tageslicht kommen.

Dinge, die in anderen Clubs nahezu undenkbar wären, passieren durchaus im Topsy. Von „Topsybabys“ spricht beispielsweise der aktuelle Inhaber des Kultclubs, Volker Hasch. Er meint damit, dass Paare, die sich im Topsy kennengelernt haben, inzwischen auch schon Nachwuchs bekommen haben. Ob die Kinder allerdings auch im Topsy entstanden sind, da ist auch Hasch überfragt.

Es gibt aber – auch das ist Fakt – ein kleines Séparée im Club, in das kaum mehr als ein Tisch mit zwei Barhockern passt. Schon in der Anfangszeit des Topsys haben sich Pärchen immer wieder gern in diese Nische zurückgezogen, weiß der Clubinhaber.

In das kleine Séparée ziehen sich besonders gerne Liebespaare zurück, wissen Volker Hasch und Tina Casal. Im Topsy haben sich über die Jahre einige Paare gefunden.
Im Topsy haben sich über die Jahre einige Paare gefunden. Manche von ihnen haben sich vielleicht auch einmal in diese Nische im Club zurückgezogen. | Foto: cf

Eine ewige Verbindung

Ein „Topsybaby“ ist auch die vierjährige Matilda. Sie ist die Tochter von Amelie und Stefan Koch, die sich im Topsy kennengelernt haben. Matildas Vater erinnert sich noch gut an den Abend im Jahr 2011:

„Amelie war mit einer Freundin unterwegs und ich mit einem Freund. Ich habe sie gleich auf der Tanzfläche erblickt. Es hatten sich aber bereits einige Verehrer um sie versammelt. Deswegen ging ich mit meinem Kumpel zuerst einmal zur Bar. Irgendwann stand Amelie plötzlich neben mir. Ich fackelte nicht lange, sprach sie an und wir verbrachten die ganze Nacht in Gespräche vertieft an der Bar des Topsys. Im Morgengrauen begleitete ich sie noch anständig nach Hause und wir verabredeten uns für ein weiteres Treffen.“

Zwei Jahre später wurde geheiratet, 2015 kam Matilda zur Welt. „All das haben wir dem Topsy zu verdanken“, sagt Stefan Koch. „So bleibt es für die Ewigkeit mit uns verbunden.“

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Fast gab es eine „Topsy-Geburt“

Ein „Topsybaby“ im wörtlichen Sinne hätte hingegen das Kind von Antje und Heinz Polzer werden können:

„Mein Mann und ich haben damals fast alle unsere Freitag- und Samstagabende im kleinen Raum im Topsy Turvy, den Gerd Waldmann damals angemietet hatte, verbracht und einige lustige Sachen erlebt“, berichtet Antje Polzer. „Die beste Erinnerung ist: Am errechneten Entbindungstermin unseres ersten Kindes hat Gerd uns erst nach Mitternacht nach Hause gehen lassen. Er wollte unbedingt erleben, ob das Kind nicht vielleicht doch noch pünktlich zum Termin kommt. Was es es natürlich nicht tat. Nach der Geburt hat er mich dann sogar im Krankenhaus besucht.“

Nachforschungen oft ergebnislos

Im Topsy lernen sich Menschen also nicht einfach nur kennen. Sie heiraten dort auch. Und sie kommen sogar dann noch feiern, wenn sie bereits hochschwanger sind. Da liegt es nahe, zu glauben, dass sich hinter der schweren Stahltür mit dem Bullauge womöglich regelmäßig Kurioses, Lustiges oder einfach unvergesslich Schönes abspielt.

Fragt man die Topsy-Besucher – etwa auf Facebook – nach ihren Geschichten, erhält man viele Antworten, die genau darauf hindeuten. Was man hingegen selten hört, sind die Geschichten selbst.

„Weißt du noch, der Abend mit dem Gin?“, fragt eine Topsy-Besucherin ihre Freundin, die sie auch gleich unter dem Beitrag verlinkt. Und immer wieder ist von „der Geschichte des Lebens“ zu lesen. Von Lieben des Lebens, die im Topsy gefunden und von Freundschaften, die dort geschlossen wurden. Von verrückten Abenden, an die sich aber niemand mehr genau erinnern kann – oder will.

Nach ihren Topsy-Geschichten gefragt, möchten allerdings die wenigsten ins Detail gehen.

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Wie in Las Vegas …

Auch eine ähnliche Aktion der Inhaber blieb erfolglos. Unter dem Aufruf „Geschichten, die das Topsy schreibt …“ hatte Volker Hasch seine Gäste dazu aufgefordert, von ihren besten Topsy-Abenden zu erzählen. Fast niemand kam der Bitte nach.

Hasch glaubt auch zu wissen, warum das so ist. Er sagt dasselbe, das auch ein Topsy-Gast unter dem Facebook-Eintrag kommentiert: Was im Topsy passiert, bleibt im Topsy.

Wer Topsy-Geschichten will, muss sie eben selbst erleben.

Und vielleicht ist das ja auch gut so.

So sah der BNN-Aufruf übrigens aus:

 

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