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Duell der Kanzlerkandidaten

Blitzumfrage: Triell hat keine Auswirkungen auf die Wahlentscheidung

Scholz, Baerbock und Laschet gehen im zweiten Triell auf Angriffskurs. Es geht unter anderem um Corona, Digitalisierung und Klimaschutz. Wie haben unsere Stimmen aus Baden das Triell erlebt? Die BNN-Volontäre haben nachgefragt.

Am Sonntagabend traten Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet beim zweiten Triell an. Foto: Michael Kappeler/picture alliance/dpa/dpa-pool

Schuldzuweisungen und Floskeln prägten das zweite Kanzlerkandidaten-Triell.

Am Sonntagabend traten Annalena Baerbock (Die Grünen), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU/CSU) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auf.

Für das Multimedia-Projekt „12 Stimmen aus Baden“ haben die BNN-Volontäre mit sieben Wählern aus der Region über das Triell gesprochen.

Krankenpflegerin Sandra Boh aus Rastatt:

Sandra Boh aus Rastatt schaut das Triell zu Hause an. Zwischendurch bringt sie ihre Kinder ins Bett. Für die Krankenschwester ist Annalena Baerbock nach wie vor die Favoritin: „Ich fühle mich bestätigt. Zur Klimapolitik und Bildungsthemen hat sie die besten Antworten.“

Allerdings habe sie Olaf Scholz positiv überrascht: „Beim letzten Triell auf RTL war er eher schläfrig.“ Es stört sie, dass es in Schulen eine Testpflicht gibt, in Betrieben aber nicht. Baerbock sprach das an. „Als Mutter bin ich persönlich davon betroffen“, sagt sie.

Unternehmer Herbert Decker aus Sasbachwalden:

Unternehmer Herbert Decker arbeitet noch, als das Triell auf seinem Büro-Laptop läuft. Ab und zu schaut er nach seinen Gästen. Ein Sieger gibt es für ihn nach der Sendung nicht. Allerdings hinterlässt Armin Laschet einen bleibenden Eindruck: „Er war offensiv und hat sich gut verteidigt.“

Im Großen und Ganzen war ihm das Triell aber zu langweilig. „Das Gespräch plätscherte so vor sich hin. In den vergangenen Jahren ging es deutlich mehr zur Sache“, sagt der 62-Jährige. Im Gedächtnis bleiben Decker Themen wie der Kohleaustieg und der Ausbau der Infrastruktur. „Der Umweltschutz wird die größte Herausforderung“, sagt er.

Alleinerziehende und Selbstständige Tanja Hornung aus Rastatt:

„Es gab für mich keinen Sieger“, sagt Tanja Hornung, Alleinerziehende und Selbstständige aus Gaggenau. Das Kanzelkandidaten-Triell schaut sie mit den Eltern und ihrem 16-jährigen Sohn bei sich zuhause auf der Coach. Dass die Familienpolitik weder von den Moderatoren noch von den Kanzlerkandidaten thematisiert wurde, ärgert sie. „Die Alleinerziehenden sind wieder übergangen worden.“

Als selbstständige Kosmetikerin hätte Hornung sich zudem gewünscht, dass die Kanzlerkandidaten nicht nur über große Unternehmen sprechen, sondern auch kleinere Unternehmen und Selbstständige berücksichtigen. An ihrer Wahlentscheidung hat das Triell nichts geändert. Ihre beiden Stimmen hat sie bereits vor einer guten Woche per Brief abgegeben.

Lehrer Markus Gruhn aus Karlsruhe:

Auf der Couch sitzt auch Markus Gruhn. Er schaut das Triell mit seiner Frau. „Die Kandidaten haben sich gut verkauft.“ Für ihn schneidet Scholz vor Baerbock am besten ab. Die ruhige Art des SPD-Politikers gefällt ihm. „Scholz hat Ruhe ausgestrahlt“, sagt der 46-Jährige.

Gruhn kritisiert, dass keiner der Kandidaten darüber spricht wie Umweltschutz, Digitalisierung und Co. finanziert werden sollen. „Es wird viel vorgeschlagen, aber keiner sagt, wo die Milliarden herkommen sollen.“ Andererseits seien viele Themen wie Bildung nicht angesprochen worden, sagt Gruhn. Seine Wahlentscheidung ändert sich durch das Triell nicht.

Erstwählerin Emilia Bös aus Malsch bei Wiesloch:

Emilia Bös fehlt in der Diskussionsrunde ebenfalls das Thema Schule. Die 18-Jährige will es sich trotz des Schulstarts nicht nehmen lassen, dass Triell anzuschauen.

Ihr liegen besonders Klima, Digitalisierung und Wohnen am Herzen. Laschets Vorschlag zum Bau neuer Wohnungen steht Bös kritisch gegenüber: „Als angehende Studentin kann ich mir keine neue Wohnung leisten. Außerdem passt das Thema Bauen mit dem Klimaschutzprogramm nicht zusammen.“

Einen Gewinner gibt es in ihren Augen nicht, dafür aber einen klaren Verlierer: Armin Laschet. „Es wirkt so, als hätte er sich selbst bereits als Kanzler aufgegeben. Nun versucht er für seine Partei zu retten, was zu retten ist.“ Bei ihrer Wahlentscheidung bleibt Bös: „Heute Abend haben sich lediglich meine Sympathien für die Kandidaten verschoben.“

Migrant Yasar Oral aus Baden-Baden:

Yasar Oral findet, dass es Olaf Scholz „am besten“ gemacht hat. Außerdem ist er der Meinung, dass es Baerbock „auf jeden Fall besser gemacht hat als Armin Laschet“. Er findet es gut, dass Baerbock Corona-Tests in Betrieben einführen will. „Jeder Arbeitgeber will ja, dass die Produktion weiter läuft“, sagt Oral. Er kritisiert, dass Laschet an der privaten und gesetzlichen Krankenversicherung festhält.

Der 59-jährige hat das Triell gemeinsam mit seiner Frau gesehen. Er bleibt bei seiner Wahlentscheidung: „Ich habe das Wahlprogramm der SPD schon vorher gekannt“, sagt er.

Klimaaktivistin Paula Kanzleiter aus Karlsruhe:

Bei Paula Kanzleiter gibt es zum Triell für die Freunde indisches Curry. Im Kontrast zum Abendessen ist die Clique von der Sendung nicht wirklich begeistert: „Wir haben zwischendurch Bingo gespielt. Dabei geht es doch um so viel.“ Auch sie hat kein Kandidat überzeugt. Für die Fridays-for-Future-Aktivistin kam das Thema Klimaschutz zu kurz.

Es nervt sie, wie Laschet versucht habe die Umweltbewegung zu instrumentalisieren. „Wir sind nicht erst seit Monaten unterwegs, sondern schon seit Jahren“, sagt sie. An ihrer Wahl hat das Triell nichts geändert. Im Laufe der vergangenen Woche habe sie festgelegt, welcher Partei sie ihre Zweitstimme gibt.

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